Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt


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Ach, dieses Huhn!

„Ja und wo soll es hin?“
Meine beste Hälfte schaut. Fragend. Ach was, zweifelnd.

So ein blaues Huhn braucht einen Platz. Klar. Und so ein ausnehmend schönes blaues Huhn braucht auch einen extra schönen Platz.

Ich denke nach. Aber es nutzt nichts. So geht das nicht.
„Können wir das nicht noch entscheiden, wenn wir es gekauft haben?“
Ich sehe mich schon durch den Garten streifen, mit dem Huhn in der Hand.

Aber noch ist es nicht so weit. Denn: Vor den Kauf setzte Gott die Entscheidung. Und meine beste Hälfte bleibt hartnäckig. Ich sehe, wie die Bilder von unserem Garten n seinem Kopf wechseln wie bei einer Diashow.

„Vielleicht auf den Zaun? Sie gehört auf den Zaun, dahin, wo die Rose blüht“, sagt er schließlich. „Weißt du, da ist ja auch dieses nutzlose Rohr im Zaun. Und da könnte ich dann – mit einem Moniereisen aus dem Baumarkt…“

Ich habe nicht zugehört. Ich habe nur das blaue Huhn im Kopf und im Blick. Es sitzt neben dem braunen Huhn. Es hat mir sofort gefallen. Dieser Blick! Und das elegante Blau!

Doch meine beste Hälfte wiegt den Kopf. Sein Blick schweift. Über üppige kleine Frauen in Bikinis, über einen fetten Frosch. Er bleibt hängen an einer schönen Königin in rotem Kleid.

„Guck mal – die hier. Wäre die nicht auch..? Und die könnte ich auch viel besser am Zaun festmachen. Die würde da doch auch viel besser hinpassen!“

Ich sage nichts. Er hat Recht, Die Königin auf dem Zaun wäre super.

Ich deute vorsichtig auf das Huhn. Es passt irgendwohin. Es passt in den Garten und es passt zu mir. Wenn es erst mal da ist, wird alles gut. Ganz sicher.
Außerdem ist in unserem Garten ja gar kein Platz für eine zweite Königin.

Ich lächle ihn an.
Er sieht mich an. Lacht, obwohl ich keinen Ton gesagt habe.

„Also das blaue Huhn. Okay.“, sagt er geschlagen. „Und so ein Moniereisen, das kann ich dann am Montag im Baumarkt kaufen.“

Was soll ich sagen? Das blaue Huhn ist jetzt bei uns. Natürlich. So ein Eisen haben wir nicht gekauft. Ich habe einen zerbrochenen Stein gefunden und das Huhn einfach drauf gesetzt.

Es sitzt ganz nah am Tisch. Unter dem roten Sonnenschirm. Das ist der beste Platz, finde ich. Vorerst jedenfalls.

 


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Mücke da – Krone weg!

DIE Mücke: Immer schon weg!

DIE Mücke: Immer schon weg!

»Also, diese lächerliche Jagd nach Mücken im Schafzimmer habe ich mir abgewöhnt.«
Das habe ich gesagt, wirklich. Es ist nur ein paar Tage her.
Ich saß in meiner Küche, wir hatten ein lockeres Sohn-plus-Freundin-Abend-Gespräch. Mein Sohn, der sich in gleicher Weise für Mathematik wie für amerikanische Serien begeistern kann, hatte sich gerade wortreich beschwert. Darüber, von seiner Liebsten jede Nacht geweckt zu werden. – Und zwar nicht, um die allerletzte »How-I-met-your-mother«-Folge zum zigsten Male anzusehen oder um sonstwas zu machen, was junge Leute nächtens so machen, sondern, so schilderte er wortreich und wütend: Weil seine Freundin »IM-MER« ganz plötzlich das Licht anknipse. Weil sie dann aufstehe und einfach nur RUM-NERVE. Durchs Zimmer renne, sich mit Pantoffeln bewaffne oder mit irgendwas, was sonst so da liege 
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(Da muss sie bestimmt nicht lange nach was suchen, dachte ich, obwohl das hier jetzt nicht zur Debatte stand)
– und dann: Klatsch, Schepper, Peng!
Mückenjagd.
Er verdrehte die Augen.
»Wegen diesen WINZ-LING-EN! Und helfen, die Tierchen umzubringen, soll ich auch noch! Und am Ende liegt man dann selber wach und horcht und wartet, ob nicht doch noch irgendwo im Zimmer dieses total nervige Mücken-Geräusch zu hören ist.«
Ich heuchelte Mitgefühl. Aber nur ein bisschen.
Sagte: „Das ist ausgleichende Gerechtigkeit.“
Bilder von einem heulenden Kleinjungen, der sich verzweifelt an seinem Teddy festkrallt, schossen durch mein Hirn. Erinnerungen an verzweiflungsweite Augen und an kleine Hände, die elefanten – oder walgroße Kreise beschrieben, an eine „MÜÜÜCKKKEEEEE!“ kreischende Stimme.
Mein Mathe-Genie guckte entgeistert.
„Ich? Ich habe keine Angst vor Mücken. Nie gehabt!«
Nun schmollte er.
„Naja, so eine kleine Mücke ist ja auch nicht so schlimm.«, kam ich ihm ein wenig zu Hilfe.
Die Freundin protestierte.
„Wer kann schon schlafen, wenn so ein Blutsauger einem um die Ohren summt. Allein das Geräusch! Und dann stellst du dir vor, wie es sich irgendwo hinsetzt, seinen Stachel in deine Haut piekt – und du kannst nichts dagegen tun, als rumzufuchteln und zu hoffen, dass das die Mücke beeindruckt!«
»Aber«, antwortete ich und fühlte mich sofort großartig. »Wenn du dich nicht aufregen würdest, dann würdest du einfach wieder einschlafen. Denn WIR ärgern uns schließlich selbst, und nicht die Mücke, oder? Also – wenn du nächstes Mal nicht schlafen kannst, wegen so einer klitzekleinen Stechmücke, dann probier‘s doch einfach mal. Ruhig bleiben. Nicht ärgern. Weiter schlafen. Klappt ganz bestimmt!«
Ich weiß noch, dass ich gelächelt habe. Ich weiß noch, dass ich es toll und schlüssig fand, was ich sagte. Erfahren! Besonnen! Und im Einklang mit mindestens hundert Lebenshilferatgebern!
Kurz: Ich fühlte mich super! Endlich überzeugt davon, dass sich jedes einzelne Lebensjahr und alle meine Erfahrungen mit nächtlichem Mückenterror gelohnt hatten – denn natürlich hatte auch ich zuerst das jugendliche Mückenphobie-Stadium durchlaufen müssen, um den kleinen Plagegeistern jetzt gelassen begegnen zu können.
Ich hatte einen höheren Bewusstseinszustand erreicht! Und zum ersten Mal konnte ich sie spüren. Sie saß auf meinem Kopf und glänzte und strahlte hell: Die Krone der Weisheit!
Noch als wir schlafen gingen, hatte ich dieses schwebende Gefühl und sicherlich bin ich mit diesem bestimmten, königinnenhaften Lächeln eingeschlafen.
Natürlich hatten wir vorher alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen (denn die beste Hälfte, die ich je hatte, hatte sie natürlich auch längst auswendig gelernt und verinnerlicht): NIEMALS Licht im Schlafzimmer, IMMER gleich die Tür zumachen und UNBEDINGT IMMER im Dunkeln ins Bett kriechen, dann fünf Minuten warten und ERST ANSCHLIEßEND das Fenster öffnen.

Doch trotz aller Regeln: Mitten in der Nacht weckte sie mich: DIE Mücke!
Ich würde jetzt beweisen können, wie einfach es war, sie einfach zu ignorieren. Ich würde meiner Rolle als frisch gebackene Inhaberin der Krone gerecht werden. Ich würde die Mücke Mücke sein lassen, Gelassen- und Abgeklärt- und bestimmt auch Weisheit beweisen. Ich atmete tief ein und aus, probierte alle Entspannungsübungen, die ich kenne, um die aufsteigende Mückenterrorpanik unter der Decke zu halten und alle unbedeckten Körperteile gleich mit.
Doch es war eben nicht nur irgendeine Mücke. Es war DIE Mücke, die eine, die alle Tricks kennt, die flügelschlagend und sirrend überall zugleich ist: Neben dem Ohr, über dem Haar, nah an der Nase, schon zustechend am plötzlich nicht mehr deckengeschützten vorwitzigen Ellenbogen, mit hektisch hohem Mückenaufschrei am Mund. Am ganzen Körper begann es zu jucken, schweißgebadet unter meiner Mückenschutzdecke verlor ich zunehmend die Kontrolle, die Krone verrutschte und ich bekam es kaum mit – und als ich schließlich aus dem Bett, sprang, hatte ich sie schon vergessen. Wütend warf ich die Decke zurück, stürzte zum Fenster, um es zu schließen und knipste die Nachttischlampe an.
Meine bessere Hälfte (ja, genau: die beste, die ich je hatte!), schreckte aus dem Schlaf hoch und blickte irritiert und nach Erklärungen suchend in meine Richtung.
Was soll ich sagen? Die Mücke war schlau. Sie witterte Pantoffelschläge, bevor sie niedersausten, sie versteckte sich geschickt hinter Schränken und Nachttischchen, machte sich unsichtbar auf nachtdunklen Fensterscheiben und spiegelnden Spiegelflächen.

Doch schließlich, der Morgen lugte schon durchs Fenster, gerade als wir beide – denn meine beste Hälfte hatte mich durch diese Stunden der Pein begleitet – nebeneinander liegend abwarteten, dass sich das feige Terrortier wieder einmal blicken ließ, bereit und bewaffnet für eine neue Attacke – und gerade, als mir der Gedanke kam, dass vielleicht mein mathebegeisterter Sohn DIE Mücke irgendwie lebend gefangen und in unser Schlafzimmer –
ZAAAAAACK! – war ich (wenige Sekunden nach der besten Hälfte, die ich je hatte, muss es gewesen sein!)
doch wieder eingeschlafen.

»Na, habt ihr sie erwischt?«
Ich tue unwissend, stelle die Marmelade auf den Frühstückstisch, gucke fragend.
Mein Mathe-Sohn grinst breit.
»War ja nicht zu überhören, eure Jagd heute Nacht!«
Er ignoriert grausam mein schmerzhaftes Aufjaulen und beschmiert in aller Ruhe eine Brötchenhälfte mit dem Schoko-Aufstrich, den er schon als Kleinjunge liebte.
Ich beschließe, überhaupt nichts zu bereuen.
Nur schade um die Krone. Sie hätte bestimmt irgendwie gut zu mir gepasst.


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Wieder da!!!

Hurra! Er ist wieder da. Gerade habe ich ihn gesichtet. Und deswegen möchte ich ihn gerne würdigen. Mit dem folgenden Text, den ich vor einem Jahr geschrieben habe. Inzwischen weiß ich natürlich alles über ihn, klar! – Aber damals….

Der Flügelschwirrer

FlügelschwirrerEs dämmert. Und ich bin kurzsichtig. Und vielleicht sogar ein bisschen alt – aber wirklich nur ein bisschen. „Das verstehst du nicht, Mama.“, sagen meine Söhne. Und: „Dafür bist du zu alt!“

Immer dann sagen sie es, wenn sie mir weis machen wollen, dass es eine Bildungslücke ist, keine Talentshows anzugucken. Oder dass Vokabeln bei dröhnender Musik gelernt werden müssen. Oder wenn ich über die Witze mancher fußballstadienfüllender Comedians wiedermal nicht lachen kann.

Das verstehst du nicht – der Satz fällt mir ein, als ich plötzlich bei meinem Rundgang durch den Garten etwas sehe, was ich noch nie gesehen habe.

Etwas schwirrt und huscht um den Lavendel – ein wahrere Flugkünstler mit langem Rüssel. Schwirr – das etwas peilt eine Blüte an, taucht seinen Rüssel hinein, während es unsichtbar und wie irre mit den Flügeln schlägt, bleibt im Flug einen Moment stehen und dann – schwirr – geht’s weiter zur nächsten Blüte.

Ich staune. Ein Kolibri? In meinem Garten?

Meine Söhne schauen mich schon wieder an mit diesem Blick.

„Ein Kolibri? Bei uns? Bist du sicher?“

„Nein“, sage ich. „Eben KEIN Kolibri!“ Dass das Tier viel kleiner ist, erkläre ich.  Dass es wahrscheinlich kein Vogel und dass sein Hinterteil irgendwie gestreift ist und dass es im Ganzen orange aussieht.

Leeres Staunen in den Augen meiner Söhne.

„Vielleicht doch ein Kolibri?“, sagt nach einer Weile der Große. Kommentiert es mit kurzem „Tz“. So wie nur er „Tz“ machen kann. Immerhin – das hört sich ein wenig nach Verständnis an, finde ich.

Und der Jüngere? „Krass“, sagt er. Und flups – ist er schon wieder weit weg – abgetaucht in die Welt der Handykommunikation. Tipp.Tipp. Tipp-tipp-tipp. Atemberaubend. Fast so schnell wie mein Schwirrtier, denke ich.

Ich seufze. Also – ich muss selbst herausfinden, wer oder was dieses Tier  gewesen ist. Ich. Fast-Alte. Nicht-Versteherin. Seufz. Und wo finde ich die Info?

Im neumodischen Internet. Wo sonst?

Der NABU weiß es schließlich: Das Schwirrtier ist ein „Taubenschwänzchen“. Ein Schmetterling, der  aus dem Mittelmeerraum zu uns kommt, auch immer häufiger bei uns überwintert.  Ich lese, dass das kleine Ding auf seiner Wanderung bis zu 2.000 Kilometer weit fliegt, dass es Höhen von 2.500 Metern überwindet und dass es durch seine Flugtechnik in fünf Minuten mehr als 100 Blüten besuchen kann! Und dass es oft für einen Kolibri gehalten wird. Sieh an! Ein Tier der Superlative hat in meinem kleinen, unbedeutenden Garten Station gemacht.

Ich bin beeindruckt.

„Ein Kolibri – ein Kolibri – Mama, gibt es in deinem Garten Kolibris?“

Ich lächle sanftmütig.

„Nein, mein Schatz. Wie kommst du denn auf sowas?“, sage ich verständnisvoll. Wenn man jung ist, kann man schließlich nicht alles wissen!

Hier gibt’s noch viel mehr Infos zu dem tollen Tier:

http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/insektenundspinnen/schmetterlinge/nachtfalter/05175.html