Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt


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Die Entdeckung der Langsamkeit

Der Hängemattenblick in den Himmel. Stundenlanges Hinsehen und wahrnehmen: Wolken. Blauer Himmel. Ein Pulk Schwalben, die durch das Bild flitzen und ihre Windsegelkünste vorführen. Nah am Bildrand plötzlich zwei Segelflieger, die elegant sich hochschrauben – und doch sind sie, im Vergleich zu den Schwalben so schwerfällig! Und dann: Nur noch Himmel. Nur noch Wolkengebilde, die sich kaum merklich fortbewegen, die aus sich selbst geboren werden, als Punkt oder als vager Schleier. Die sich verdichten können und kompakt werden. Die aber auch, ganz ganz langsam sich wieder auflösen.

Bewegt sich da überhaupt irgendwas? Oder will ich nur, dass sich was bewegt? Dass Wolkenfetzchen irgendwo sich verdrehen. fortwandern, ausfransen, sich vermischen, voneinander wegdriften?

Ich schaue und schaue. Und ich weiß nicht, was ich sehe und was ich sehen will, was ich mir vorstelle und was mein Auge, mein Gleichgewichtssinn und was weiß ich wer noch mir etwas vorspielt.

Aber eins weiß ich genau: Was für ein schöner, fauler du-bi-duuuu-la-la-Nachmittag! 🙂
Und: Bittesehr! Probiert es aus. Der Film dauert nur eineinhalb Minuten. Was seht ihr?

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Romantiksahnehäppchen

Rosa Romantik

Rosa Romantik

„Rosa Himmel“, sage ich und lasse das Wichtigste weg.
Dass ein weißes Sahnehäubchen schön wär, ein klitzekleines romantisches fluffig-süßes Wort. Von meiner allerbesten Hälfte. Zu mir. Wegen des Romantik-Kitsch-Himmels. Und als Frühmorgenbonbon.
Aber meine beste Hälfte schweigt erstmal. Hat den Kopf in den Nacken gelegt und schaut den rosaroten Himmel an.
„Wahnsinn!“
Ich warte. Lehne mich schon mal ein bisschen gegen seinen Arm.
Meine beste Hälfte seufzt tief.
„Wenn man mehr Zeit hätte und nicht gleich immer der Bürotag—“
Ich höre meinen Herz hüpfen. Durch die dicke Winterjacke hindurch.
„Ja?“, hauche ich hoffnungsfroh. Schaue versonnen den schraffierten Wolkenpfeil über mir an, der da so schön rosa ins Firmament ragt. Wenn das kein Bild ist!
Warte auf das eine oder andere Sahnehäubchenzauberwort, das jetzt genau richtig wäre. Das die Liebe zum Fließen brächte oder was auch immer sonst. Ich sehe uns schon die Arme umeinander legen, uns lange ansehen –
„Dann könnte ich dir jetzt genau sagen, ob das da“, er zeigt mit dem Finger auf den Zauberpfeil, „ob das da jetzt ein Cirrocumulus oder ein Altostratus oder vielleicht nur ein kleiner federleichter Cirrus ist.“
Schon wieder seufzt er tief. Allmählich verblasst das Rosa, die Wolke zerfedert und franst.
„Wusstest du, dass die rötliche Färbung daher kommt, dass bei niedrigem Sonnenstand der Weg des Lichts durch die Erdatmosphäre einfach länger ist? Da werden die hochfrequenten Blautöne seitlich weggestreut, das Rotspektrum bleibt übrig. Ich finde das wahnsinnig interessant! Siehst du? Die Sonne zeigt sich allmählich da hinten am Horizont und die Färbung lässt immer mehr nach und – “
Er fuchtelt mit den Armen herum – und stockt, als er mir endlich ins Gesicht sieht.
„Geht’s dir gut? Du siehst so – keine Ahnung – so blass aus. So als wäre dir schlecht. Oder hast du vielleicht Hunger? Komm’, lass uns gehen. Ich hole Semmeln zum Frühstück, ja?“
Er legt fürsorglich den Arm um mich, geht langsam und bedächtig mit mir zurück nach Hause. Als ob ich krank wäre. Naja, bin ich ja auch. Ein bisschen, in gewissem Sinne.

Als er mit den Brötchen zurück kommt, hat er eine Überraschung dabei. Stellt sie auf einem Teller vor mich hin.
„Liebeskrapfen“, sagt er und schmunzelt. „Rosarotes Herz. Für dich, mein Schatz!.“

Liebeskrapfen


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Sonnenschirmaussicht am Sonntagmittag

Aquarell am Sonntag

Aquarell am Sonntag

Nach längerer Abstinenz steht er wieder – der rote Sonnenschirm. Die Pause hat er sich verdient – aber sie war auch erzwungen – wegen anhaltender Regenschauer-Zeit und weil ich – wenn sie sich mal blicken ließ  – ziemlich süchtig nach Sonne war und keinen Schirmschutz brauchte. So blieb er  (Schande!) schnöde zusammengeklappt, der Arme.
Heute jedoch schaut er wieder gen Himmel – und was er da sieht, das wollte ich mal eben festhalten. Was da genau los ist zwischen ihm und der schönen Grauweißen? Er schweigt sich beharrlich aus, aber er  hat seine sechs Arme ausgebreitet und scheint mit der Wattewolke irgendeinen Disput zu haben – oder ein Gespräch, vielleicht auch eine Fernumarmung. Free hugs auf Wolke Sieben!? Vielleicht hat sich die Wolke ja auch nur einen kleinen Moment an meinem Sonnenschirm festgehakt, um sich ein wenig auszuruhen – damit sie gleich ihren vergänglichen Weg über den blauen Himmel fortsetzen kann? Ob sie ihm was zugeflüstert hat? Irgendein Wolkengeheimnis etwa?

*Seufz* Ich habe keine Ahnung! Nur eins weiß ich: Für mich ist es das Bild des Tages – und ich könnt noch ewig hinsehen! Doch ewig is’ nich – noch während ich hier tippe, ist sie schon wieder weg, die Wolke!


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Das Regengeschenk

Regen.
Er flüstert den Blättern des alten Zwetschgenbaums etwas ins Ohr und zugleich plätschert er die Regenrinne am Gartenhaus hinab. Auf der Wiese ist er ein gleichmäßig knisternder Klangteppich knapp über den Grashalmen.
Überall sanftes Rieseln und Rascheln, ein paar einzelne Tropfen fallen wassersatt zu Boden. Platsch. Manche tröpfeln mit spitzem Plitschplitschplitsch – je nach Größe machen sie ein anderes Geräusch.
Es rauscht weltumfassend. Es gluckert und schmatzt, und plötzlich vom Wind angetrieben, schwillt das gleichmäßig ruhige Pladdern zum schwatzenden Getöse, und aus dem Einheitsfortissimo werfen sich ein paar versprengte Tropfenkollegen in meine Richtung, landen auf meinen Händen, auf der Hose und auf meinem Haar.
Die Kaffeetasse ist sowieso längst leer. Ich verlasse meinen schön geschützten Balkonpausenplatz und gehe zurück an den Schreibtisch.
Und beinahe hätte ich sie verpasst, die Light-Show zur Regenmusik!

Regenbogen

Lichtspiel im Konzert der Tropfen

 


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Laute(r) Böller

1.600 Böllerschützen ließen es krachen gestern in Böbing. Aus der halben Nation waren sie in den Pfaffenwinkel gereist  – und es gab wirklich ein Riesengeböllere und mindestens genauso viel Rauch und Dampf. War schon imposant anzusehen, auch wenn Waffen eigentlich nicht so mein Ding sind.

Dass die ganze Böllerei aber auch eine ganz schön durchschlagende Wirkung auf mancher Leute Phantasie hat, zeigt der Artikel, der heute über das Schützentreffen in den Schongauer Nachrichten erschienen ist. Hier die beiden Sätze, die ich am schönsten gefunden habe: «Eine Gruppe Frauen ohne Böller, dafür in prächtiger Stimmung. Daneben die Männer, die ihr Säcklein und den Ladestock zu tragen haben.«
Gottseidank – auch Wörter können Waffen sein…


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Himmelszeichen

Rätselhafter Morgenhimmel

Rätselhafter Morgenhimmel

Morgenröte oder drohendes Unwetter? Blau oder schwarz? So sah der Himmel heute morgen über den Dächern aus. Und seltsam still war es dabei. Für einen winzigen Moment schien es unentschieden: In welche Richtung würde sich der Tag entwickeln?

Wie meiner geworden ist, weiß ich ja nun.

Und wie war eurer?


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Foto des Tages

Ein- und Drauf- und Durchblicke

Ein- und Drauf- und Durchblicke

Wirklich schwimmen gehen? Jetzt um sieben? Bestimmt regnet‘s gleich! Ganz bestimmt! Die Wetterfee hat‘s gesagt. Im Fernsehen. Und das Wasser ist sicher schon viel kälter geworden bei den Temperaturen nachts! Hast du nicht erst gestern die Jacke gebraucht auf der Terrasse? Bist beim Ratsch mit Freunden dicht ans Feuer gerutscht? Und die Mücken – sie warten schon! Jetzt – wo‘s auch noch regnet! Und da – ein paar Tropfen fallen tatsächlich auf den Holzboden des Balkons. Es klingt, als würde jemand kleine Steinchen werfen in unregelmäßigen Abständen. Klick. Und klack. Hörst du das nicht?
Jaja – das sind die die Badevergnügen-Verhinderer. Ich kenne sie schon, diese Burschen, die Spaßverderber. Die Kritiker, die irgendwo in der Ecke hocken wie Statler und Waldorf auf dem Balkon im Muppet-Theater.
Hm. Im Schlafanzug gehe ich gucken. Eigentlich – der Himmel sieht so schlecht nicht aus, die Luft fühlt sich warm an – und der Regen? Hat nur ein paar Tropfenspuren auf dem Tisch hinterlassen. Also gut, sagen die Badevergnügen-Ausreder. Dann geh eben! Wirst schon sehen!
Es ist dämmrig, alle Autos fahren mit Licht. Auch der schönste Sommer, denke ich, geht irgendwann. Auch das beste Badevergnügen, denke ich, hat mal ein Ende.
Ach nein! Bitte nicht! Bitte keine Wehmut oder sonst so ein dummes Gefühl, das sich bloß zu den Badevergnügen-Ausredern gesellt und ihnen Beistand leistet! Das mich in Watte packt und mir den Blick verstellt, damit ich nicht mehr richtig sehen kann. Alle Miesmacher der Welt: Lasst mich in Ruhe!
Rein ins Wasser. Raus auf den See. Rückenlage. Himmelsausblick. Da ist das Nahe und das Ferne. Wolken und grenzenloses Blau. Wandel und ewiges Versprechen, klare Linien und verwischtes Nebeneinander. Wie es halt ist. Einfach so.

PS: Die Badeseen im Brucker Land sind noch immer klasse und warm: Aktuelle Ausschreibungen des Landratsamtes Fürstenfeldbruck