Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt


Hinterlasse einen Kommentar

Kaffeeschaumengel

Ich finde ja, Engel kann man grundsätzlich immer mal gut gebrauchen. Man kann sie beschwören, sie herwünschen oder auch mal zu jemandem hinschicken, damit das gerade diensthabende Engelwesen auf diesen Jemand gut aufpasst.

Aber das? Ein Engel in meinem Cappuccinoschaum? Zart und schon ein bisschen undeutlich, aber noch immer klar erkennbar. Zwei Flügel, ein Röckchen und ein Kopf. Ein Engel eben. Naja, eher ein Engel-chen.

Ich frage mich natürlich, wer den Engel geschickt hat. Und worauf dieser Engel in meiner Tasse wohl aufpassen soll (Auf die Menge meines Kaffeekonsums? Darauf, dass ich mir nicht den Mund verbrenne? Dass ich die Tasse nicht zerdeppere? Die Gassirunde mit meinem Hund nicht vergesse vor lauter kaffeebeflügelter Arbeitsamkeit?), da verschäumt er schon. Der kleine Engel.

Advertisements


2 Kommentare

Tomatig-schöne Schokoladen-Tage

„Das ist die definitiv aller-aller-allerletzte halbe Tomate!“
Ich betrachte das kleine Ding. Und mir ist ziemlich zum Heulen.

„Ach komm!“
Die beste Hälfte aller Zeiten schaut mir über die Schulter.„Stimmt gar nicht! Es gibt sie im Supermarkt. Und sogar im Bioladen, wenn du willst. Immer!“

Warum versteht er es nicht? Kann er denn nicht sehen, was ich sehe? Tomatenwunder an der Hauswand.
Vorfreude pur.

Auf (fast) endlos viele tomatig-schöne Tage!

Hat er das etwa schon vergessen?

Und jetzt? Jetzt ist diese wunderschönste Tomatenzeit vorbei.
Die aller-aller-aller-allerletzte ihrer Art, mühsam nachgereift auf der Fensterbank, liegt jetzt zerstückelt und verletzt vor meinen Augen auf dem doofen Küchenbrett.

„ES IST DIE LETZTE!“, rufe ich aus. Und die Verzweiflung zittert in meiner Stimme.

Weil: Ich bin ja Schuld. Ich habe sie nicht verschont. Ich habe sie von der Fensterbank genommen und auf das Brett gelegt. Ich habe sie aufgeschnitten und die Hälfte von ihr (der aller-aller-aller-aller-letzten Tomate aus dem Garten!) gierig einfach in den Mund gesteckt.
Hmpf. Weg. Unwiederbringlich.
Grausamer halber Tomatentod!

Die halbe Tomate liegt gerade noch da. Ganz verletzlich sieht sie aus und zart – und auch ein bisschen blässlich – und dann: Dann ist sie auf einmal weg.

Wie der Blitz ist die Hand der besten Hälfte, die ich je hatte, aus dem Hinterhalt nach vorne geschossen, hat die aller-aller-aller-aller-letzte halbe Tomate gekrallt und …
Meine beste Hälfte mampft und verdreht die Augen.
„War eh nix mehr. Kein Geschmack. Unsere Fensterbank ist eben kein Gewächshaus!“

Und da, wo vorhin noch die fast-ganz-rote, aller-aller-aller-aller-letzte halbe Tomate war, steht jetzt wie von Geisterhand hingepflanzt – Ohh! Ahhh! Hurra! –
der aller-aller-aller-aller-erste ganz komplette Mini-Schokoladen-Weihnachtsmann.

„Passt eh viel besser zur Jahreszeit!“, sage ich nach ein paar Sekunden und lecke mir den Schokoladen-Mund.
Ich rechne blitzschnell: Noch ungefähr 32 Tage bis Weihnachten.

Vorfreude pur!
Auf mindestens 32 schokoladig-schöne Tage!

PS: Ein Foto vom allerersten Weihnachtsmann gibt’s leider nicht. Der Fotograf war einfach zu langsam. Sorry!


2 Kommentare

Ach, dieses Huhn!

„Ja und wo soll es hin?“
Meine beste Hälfte schaut. Fragend. Ach was, zweifelnd.

So ein blaues Huhn braucht einen Platz. Klar. Und so ein ausnehmend schönes blaues Huhn braucht auch einen extra schönen Platz.

Ich denke nach. Aber es nutzt nichts. So geht das nicht.
„Können wir das nicht noch entscheiden, wenn wir es gekauft haben?“
Ich sehe mich schon durch den Garten streifen, mit dem Huhn in der Hand.

Aber noch ist es nicht so weit. Denn: Vor den Kauf setzte Gott die Entscheidung. Und meine beste Hälfte bleibt hartnäckig. Ich sehe, wie die Bilder von unserem Garten n seinem Kopf wechseln wie bei einer Diashow.

„Vielleicht auf den Zaun? Sie gehört auf den Zaun, dahin, wo die Rose blüht“, sagt er schließlich. „Weißt du, da ist ja auch dieses nutzlose Rohr im Zaun. Und da könnte ich dann – mit einem Moniereisen aus dem Baumarkt…“

Ich habe nicht zugehört. Ich habe nur das blaue Huhn im Kopf und im Blick. Es sitzt neben dem braunen Huhn. Es hat mir sofort gefallen. Dieser Blick! Und das elegante Blau!

Doch meine beste Hälfte wiegt den Kopf. Sein Blick schweift. Über üppige kleine Frauen in Bikinis, über einen fetten Frosch. Er bleibt hängen an einer schönen Königin in rotem Kleid.

„Guck mal – die hier. Wäre die nicht auch..? Und die könnte ich auch viel besser am Zaun festmachen. Die würde da doch auch viel besser hinpassen!“

Ich sage nichts. Er hat Recht, Die Königin auf dem Zaun wäre super.

Ich deute vorsichtig auf das Huhn. Es passt irgendwohin. Es passt in den Garten und es passt zu mir. Wenn es erst mal da ist, wird alles gut. Ganz sicher.
Außerdem ist in unserem Garten ja gar kein Platz für eine zweite Königin.

Ich lächle ihn an.
Er sieht mich an. Lacht, obwohl ich keinen Ton gesagt habe.

„Also das blaue Huhn. Okay.“, sagt er geschlagen. „Und so ein Moniereisen, das kann ich dann am Montag im Baumarkt kaufen.“

Was soll ich sagen? Das blaue Huhn ist jetzt bei uns. Natürlich. So ein Eisen haben wir nicht gekauft. Ich habe einen zerbrochenen Stein gefunden und das Huhn einfach drauf gesetzt.

Es sitzt ganz nah am Tisch. Unter dem roten Sonnenschirm. Das ist der beste Platz, finde ich. Vorerst jedenfalls.

 


5 Kommentare

Endlich geschnappt! 

Vor längerer Zeit bat mich mal eine Mitbloggerin um ein Foto von der Aussicht aufs Hörnle. Ich hab oft dran gedacht, aber immer zu spät – nie hatte ich bei der Hunderunde ein fotografierfähiges Dings dabei.

Aber jetzt: Schnappschuss!

Nur ein Handyfoto, sorry – aber immerhin mit Schnee drauf und ohne Regentropfen vor der Linse. Bin stolz auf mich – wenigstens ein kleines bisschen…


Hinterlasse einen Kommentar

HättevielleichtseinkönnenOder?

 

aschekreuz

Asche auf unsere Häupter

„Stell dir mal vor, wie lustig das gewesen wäre!“
Der beste Ehemann von allen feixt und guckt durch mich durch. Seine Gedanken sind ganz und gar beschäftigt damit, dass er in seinem Augenkino sieht, wovon er eigentlich will, dass es in meinem Kopf stattfindet.
„Wir hätten wirklich jede Menge Papiertaschentücherpackungen – und Globuli getarnt als Liebesperlen – und – vielleicht ein Fieberthermometer? Was hättest du von einem Riesenfiebertherometer gehalten?“
„Hm – ja. Hätte sich gut gemacht“, pflichte ich bei, während sich in meinem Kopf ähnliche Bilder formen, vom Faschingszug durchs Dorf, bei dem wir diesmal nicht dabei waren.
„Wir hätten die Temperatur mit so einem roten Faden – du weißt schon – man zieht dran, und die Temperatur steigt langsam auf 40 Grad..“
Er lacht und seine Augen glänzen.
„Und dann hätten wir den Leuten ‚Vorsicht krank! Nicht küssen‘-Fähnchen geben können, und…“
Ich seufze.
„Ja. Das wär bestimmt klasse gewesen, so als Grippevirus durch die Welt zu gehen.“
Mein Kopf hängt ein bisschen. Ich löffle verdrossen mein Frühstücksmüsli.
„Und war da nicht auch der Ball – dieser Asterix-und-Obelix-Ball?“, erinnere ich mich, „Da hätten wir als Obelix und Falballa…“
Die Augen meines Besten weiten sich.
„Falballa????? – Ernsthaft??? Also, meine Liebe, beim besten Willen….“
– Jetzt bin ich beleidigt.
„Ach du verstehst das vollkommen falsch!“, sagt er ehrlich entrüstet. „Ich meine – du hättest eine tolle Falballa sein können, so- “, er guckt an mich herunter, „insgesamt und im Großen und Ganzen – wenn man hier und da noch ein bisschen nachgeholfen hätte!“
Er schaut intensiv und konzentriert. Mein Pegel steigt und steigt…
„Also zum Beispiel falsche -„
„Falsche – was???“ Meine Stimme soll ein Messer am Kletterseil sein: Noch ein Wort und du stürzt ab!
Mein Bester verschluckt sich prompt am Haferbrei. Oder an dem Apfel, den ich da reingeschnippelt habe. Oder an einer der Nüsse, die ich vorhin noch liebevoll in zwei Teile gehackt habe. – Haselnüsse!

„Falsche – ähm – falsche Zöpfe, meine ich, natürlich. Deine Haare – ich meine – Falballa!“
Ich lache nicht. Ich starre zurück. WEHE!
„Naja“, sagt er. „Mit falschen Zöpfen..“
Er kneift die Augen zusammen. Legt den Kopf schief.
„Und überhaupt —- Der Obelix wäre für mich ja auch – viel zu jung gewesen. Und und und – viel zu stark wäre er auch. Und ich könnte keine Hinkelsteine tragen. Und Wildschweine ermorden, eh nicht.“
Er guckt ein bisschen traurig.
Klar. Alle kleinen Jungen würden gern so stark sein wie Obelix, nehme ich an.
„Na gut“, sage ich und gucke auf die ziemlich kleine Rundung unter seinem Pulli.
„Obelix und Falballa wären ausgefallen.“

Ich überlege. Und der beste Ehemann, den ich je hatte, überlegt auch.
„Majestix!“
„Gutemine!“
Wie ein Wort kommt es aus uns beiden raus, absolut gleichzeitig und es klingt wie Gutemajemix“
Wir lachen.
„Das hätten wir wirklich machen sollen – Gutemine und Majestix! Das hätte so super sein können!!“
„Oder das Grippevirus. Oder am besten alles beides!“
„Hätte wirklich alles ganz toll gewesen sein können!“
Wir hätten eine ganz tolle Faschingszeit haben können, wenn wir… hätten…. und…. wären …. gekonnt haben dürfen….

Es ist Aschermittwoch – Asche auf unsere Häupter.


4 Kommentare

Spuren auf dem Scheunendach

Der erste Blick heute aus dem Fenster im ersten Stock.
„Ohhhhh –  guck mal – gegenüber auf dem Scheunendach!“
„Mmmh?“ Er quält sich von seinem Bürostuhl hoch. Der beste Mann undso (ihr kennt ihn ja schon) guckt.
„Aaah – ja. Ist ja interessant!“
„Interessant?“ Ich gucke ihn von der Seite an. Bloß interessant?, denke ich ein bisschen verstört und versuche, ihn mit tiefen Blicken dazu zu bringen, nochmal nachzudenken.
Er merkt, dass etwas ist. Dass mir irgendwas missfällt.
Wenigstens das, denke ich und verschränke schonmal die Arme.
„Ja also“, er kneift die Augen zusammen, blinzelt. „Vielleicht war das ein Habicht oder so? Oder eine Eule? Vielleicht eine Eule? War das schon gestern da, weil wenn nicht, dann muss es ja heute Nacht…….?“
„Pffff…“ Die Luft kommt einfach so aus mir raus. Weiß auch nicht, woher.
Er schenkt mir einen kleinen Seitenblick. Wie um abzuschätzen, wie schlimm es ist.  Dann krault er sein Kinn (da, wo vor ungefähr 15 Jahren mal ein Bart war..)
„Ja also, weißt du, ich kenne mich nicht so aus bei den Vögeln und vielleicht kann man ja anhand der Form des Abdrucks….. Im Internet vielleicht…?“
„Pffffffffffffffffff…“ Schon wieder diese Luft von irgendwo. Und gleich so viel!
„Vogel? Welcher VOGEL?“, japse ich und strecke die Hand aus. So als ob er dann besser sehen könnte. Obwohl er doch eh schon auf die Schneefläche starrt. Volle Konzentration und trotzdem sieht er es einfach nicht.
Er hebt die Schultern. Gleich gibt er auf. Ich ahne es.
„Also tut mir leid….. Wie gesagt….. Keine Ahnung…..!“
Männer sind manchmal wirklich so schwer von Begriff, denke ich.
Männer wissen einfach NICHTS!
„Das ist“, beginne ich ganz langsam, jedes Wort beladen mit dem Gewicht meiner ganzen pädagogischen Verantwortung,  „- es ist doch ganz eindeutig! Schau mal GENAU hin!“
Er schaut. Und schaut. Und schweigt.
„Die gebogenen Flügel. dieses körperähnliche Gebilde in der Mitte – Und dann auf dem DACH!“
Keine Reaktion. Der beste Ehemann undso zuckt und windet sich ein bisschen, atmet erstmal hörbar ein, dann wieder aus, und – schüttelt den Kopf.
„Sorry, keine Ahnung!“
Ich lasse die Hand sinken.
„Ach – das ist doch ganz klar!“ Jetzt bin ich schon ein bisschen ärgerlich. Beinahe beleidigt. Denn es liegt doch auf der Hand, oder? Ist doch wirklich nicht so schwer zu sehen, oder? Es gibt WIRKLICH keine deutlichere Spur, oder? Und wenn einem so was mal begegnet, dann ERKENNT man das doch, oder? Jeder normal denkende Mensch würde sowas sofort und auf den ersten Blick —- oder etwa nicht?
Ich spreche nicht aus, was ich denke. Dafür senke ich den Kopf und luge bedeutungsschwer über den oberen Brillenrand.
„Mensch – das war  – EIN ENGEL!“ Flüsternd kommen die Worten über meine Lippen. Gerade so, dass er es hören kann.
Ich starre ihn an und er starrt zurück, seine Augen ganz groß vor Überraschung, sein Mund zuckt und seine linke Augenbraue auch.
Dann schlägt er sich mit der flachen Hand an die hohe Stirn.
„Ganz klar!  Ein Engel!“ Er sagt das ganz ruhig. „Wieso bin ich dadrauf nicht gekommen?“
Ich nicke zufrieden. Vielleicht wissen Männer von Engeln wirklich fast NICHTS. Aber meiner schon.


Hinterlasse einen Kommentar

Urlaubsfahrt-Experten-Tipps

Ja müssen wir denn wirklich uns sagen lassen, wie wir uns in einem Stau verhalten sollen? Wie wir unterwegs die Muskeln entspannen, wie viel Pausen wir brauchen, wie wir die Fahrtroute planen und wie wir all den Stress vermeiden, der eine Urlaubsfahrt angeblich unvermeidbar mit sich bringt?
Urlaubszeit. Im Radio spricht eine Frau mit stiller Flüster-Stimme (stressfrei!) über das Reisen zur Reisezeit und wie und warum ich mich eingepfercht fühle muss und gefangen zwischen Tausenden Anderen, die auch irgendwohin wollen, ausgerechnet gleichzeitig mit mir. Die vorsichtige Anmerkung des Moderators, dass es doch auch wohl möglich sei, ganz gechillt im Stau zu stehen (man habe ja schließlich Ferien und hetzen müsse man wohl nicht), drückt sie die Luft ab. „Schön, wenn das geht. Aber..“ Und dann erklärt sie, dass uns das Ausgeliefertsein im Stau aggressiv macht und die Bewegungslosigkeit uns lähmt und ängstigt, die (natürlich) über uns gekommen ist wie ein Gottesurteil.
Vorbereiten müssen man sich deshalb. Vorsorgen mit Essen und Trinken und genügend Musik und vielleicht mit einem heiteren Hörbuch als Stau-Klaustro-Frust-Fresser.
Aha.
So ist das also.
Sogar auf der Fahrt in den Urlaub muss ich mich sorgen.
Muss mich rüsten und der Angst entgegen wirken. Der Angst vor den anderen Autofahrern, vor den Auspuffgasen, vor Regenschauern und zu viel Sonnenschein, vor Bäumen, die zu viel Schatten spenden oder vielleicht rutschige Blätter auf die Fahrbahn werfen, vor Tunneln sowieso und vor Dunkelheit und Helligkeit gleichermaßen, davor, zu früh oder zu spät losgefahren zu sein, vor Mückenschwärmen, die zum geöffneten Fenster hereinkommen könnten oder Fliegen oder gar – oh Gott – einer Wespe, die, angelockt durch das so notwendige Essen und Trinken im Wagen, eindringt in meine kleine Auto-Urlaubsfahrt-Welt. Ach, und überhaupt vor der ganzen Welt muss ich mich ängstigen, scheint sie zu sagen, die Frau im Radio.
Ist es wirklich das, was sie mir sagen muss?
Und: Muss ich wirklich ZUHÖREN?
KNACK!
Ruhe kehrt ein.
Werde immer einfach losfahren.
Die nächstgelegene Ausfahrt nehmen, wenn es sein muss.
Umwege nicht scheuen.
Und die Angst bei denen lassen, die sie verbreiten.

IMG_0658