Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt


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Schnee vom Dach und von gestern

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Dachschneelawine

 

 

 

Die Dachschneelawine in der Morgensonne ist eigentlich Schnee von gestern, liegt aber heute morgen so schön  hingegossen in der Morgensonne. Und am Rand der Blumentopf stöhnt, weil er vor Sonnenhunger fast schon gestorben wäre. Die Vögel – die wenigen, die nicht am wärmeren Bodensee auf das Signal zum Weiterflug warten – zwitschern verheißungsvoll und zaghaft-sanft.
Wer möchte sich da beklagen – wie die Leute im Radio, die andauernd das Jammerlied vom ausbleibenden Frühling singen? Froh sein, dass alles einfach da ist?  – Wär ganz einfach.

 

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Schluchtweg mit Geschichte

Hurra! Ich habe sie gefunden. Es war ganz leicht – viel leichter als ich dachte: Die alte Straße hinunter zur Ammer, über die viele Jahrhunderte lang alle Fuhrwerke und die ersten Autos rumpeln mussten, ist ganz einfach aufzuspüren. Sie ist jetzt ein Feldweg- ganz einfach da, fällt steil ab zum Fluss und ist ganz bequem im Spazierschritt zu erwandern.

Und wenn ich’s nicht wüsste, ich würd’ es glatt übersehen: Dieser unscheinbare Weg, der gleich hinter dem letzten Haus des Weilers beginnt, ist sozusagen ein Superlativ in einer an Superlativen reichen Umgebung.

Denn: Diese Straße verband die beiden Seiten der Ammerschlucht. Jeder, der von Süden kam und in Richtung Norden wollte – und umgekehrt natürlich auch -, traf unweigerlich auf dieses imposante Hindernis: 75 Meter tief stürzt hier die Landschaft plötzlich in die Tiefe – die Schlucht ist wie eine mit mächtiger Axt in die lieblichen Hügel und Wiesen gehauene Scharte. Fast senkrecht fallen die Wände ab zum weit unten glitzernden Fluss.

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75 Meter abwärts

Und diese Schlucht ist nicht nur ein Ärgernis, weil sie zwei Dörfer voneinander trennt und die Wege ihrer Bewohner seit Urzeiten beschwerlich und umständlich gemacht hat – nein: Diese Schlucht zerschneidet eine der wichtigsten historischen Handelsstraßen Deutschlands. Denn sie verband Brennerstraße und Via Claudia, war die Verbindung von Italien über den Brenner nach Augsburg und wurde wahrscheinlich schon von den Römern benutzt, ganz sicher aber von den Handeltreibenden im Mittelalter.

Und jetzt kommt mein kleiner Feldweg wieder ins Spiel, den ich gestern so leicht beim Dorf Echelsbach gefunden habe. Denn genau er war die Straße, auf der Waren und Menschen transportiert wurden, hinunter zur Ammer, dort über eine Furt und später über einen Holzsteg hinüber und auf der anderen Seite wieder bergauf.

Und – hier ist er, der Superlativ: Er war der einzige seiner Art, eine andere Möglichkeit, die Schlucht zu überwinden, gab es nicht.

Ich spaziere den steilen, engen, jetzt verlassen daliegenden Weg weiter in Richtung Fluss und versuche mir vorzustellen, welcher Trubel hier geherrscht haben muss!

Karren aller Art, beladen mit Waren und Schätzen, Kutschen, in denen Reisende unterwegs waren, Gefährte voller Holz, Gerätschaften und bestimmt auch Tiere – einfach alle quälten sich hier die 20 Prozent Gefälle herauf oder hinunter – bei Eis und Schnee und Regen, der noch heute den Hang hinunter rauscht und eine Gefahr für die Befestigung des Weges sein muss. – Warum sonst steige ich alle paar Meter über quer zum Weg verlegte Metallrinnen, deren hintere Enden über den steilen Hang ragen und aus denen das Wasser tropft.

Seit dem 16. Jahrhundert bestand die Straße mehr oder weniger unverändert und wahrscheinlich seit dieser Zeit – oder sogar schon früher, war die Straße – gerade weil sie so steil und unüberwindbar war – eine gute Einnahmequelle für die Leute aus Echelsbach und Rottenbuch. Denn sie machten sich die schwierige Situation zunutze: Vermieteten Ochsen – und Muskelkraft gegen gutes Geld. Es muss ein einträgliches Geschäft gewesen sein – denn was sollten die Fuhrleute schon machen, wenn ihr Gefährt die Steigung nicht schaffte oder bei Schneeglätte stecken blieb?

Jetzt bin ich da – ich trete heraus aus dem engen Weg, auf eine Wiese, die nur noch sanft zum Ufer hin abfällt. Im Sommer weiden hier Kühe – ich sehe es an den Zäunen, die jetzt allerdings teilweise abgebaut sind.

Fünf Tonnen soll die alte Holzbrücke getragen haben, über die man einst das andere Ufer erreichte. Ich glaube, dass das nicht gerade viel war, so dass sich hier unten sicherlich Staus bildeten.

Auf einem Bild, das ich bei der kleinen Gaststätte „Zur Ammerschlucht“ abfotografieren darf, ist die alte Brücke abgebildet – dazu ein Haus, das seit langem nicht mehr steht.

So wars

Immerhin entdecke ich auf der anderen Flussseite Ziegelsteine, die unterhalb von einer Hütte im Hochufer stecken – und meine Phantasie möchte nur zu gerne glauben, dass diese Steine die allerletzten Zeugen der Brücke sind, die hier über so viele Jahrhunderte so wichtig war.

Ende des Jahres 1929 verloren Straße und Brücke ihre Bedeutung – und die Bewohner ihre Einnahmequelle. Es brach eine neue Zeit an: Die Echelsbacher Brücke war fertig. Noch heute überspannt sie die atemberaubende Schlucht und ist selbst ein atemberaubender Anblick.

Und genau deshalb hört hier jetzt mein Beitrag auf. Es gibt später einen neuen, extra nur für sie!


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Spot an! Auftritt eines vergessenen Vehikels

 

 

Huch – hier ist ja alles schwarz-weiß!
Das denke ich, als ich das Auto am Ende der Straße parke.
Ich wollte mal wieder los. Ich wollte mal wieder Fotos machen. Mal wieder mich überraschen lassen von dem, was ist.
Es ist auch gar nicht weit – der Hund schnell eingepackt. Und die Schwimmbadtasche, die schon fertig gerüstet neben der Haustür steht, wird ignoriert. Schwimmbad? Klingt nicht so richtig so, wie ich mich fühle. Heute wenigstens.
Oben in Geigersau weht ein kleiner Wind. Er weht oft da. Lässt sich gerne anlocken von dem schönen Ort, wie es scheint. Aber der kleine Wind tut nur harmlos – er kann giftig sein – so wie heute.
Sogar der Hund pfeift überrascht, als wir langsam losgehen. Der kleine Wind hat’s in sich. Frostig ist er und voller Eiskristalle, die er auch gerne verteilt – mal hierhin und mal dort, auf Tannenspitzen und Stacheldrahtzäune und auf einzelne Grashalme.
Gut, dass ich die Handschuhe wenigstens mitgenommen habe, denke ich. Trotz Fotoapparat. (Und natürlich Leckerli und Leine und Tütchen für den Fall der Fälle.)

Doch Handschuhe und Fotografieren – das beißt sich irgendwie. Und so beißt halt der kleine Wind in jeden meiner Finger. Einzeln und alle zusammen – er ist da nicht wählerisch.
Die Welt um uns herum ist still und weiß und grau in allen Schattierungen. Vielleicht ist der kleine böse Wind daran Schuld, dass die Landschaft die Farben ausgeknipst hat wie ein buntes Lämpchen?

Und dann finde ich es: Ein Vehikel, das vergessen und windschief rumsteht, mitten in der  grauweißen Landschaft, neben einem mächtigen, vollkommen in Weiß getauchten Baum, ein Ding auf Rädern, das vielleicht noch übrig ist vom letzten Sommer und das traurig und von der Winterwelt missachtet nutzlos sein Dasein fristet.

Plötzlich schiebt die Sonne nur eine Schicht des weißen Wolkendunstes beiseite und lugt durch den Tüll mal kurz runter zu uns. Und in dem Moment, als ich auf den Auslöser drücke, sieht es aus, als stünde das Gefährt im Scheinwerferlicht: Als Hauptattraktion im Landschaftstheater – fröhlich, farbig-bunt. Nur heute und gerade jetzt und für mich allein. Ich glaube, der windschiefe Wagen hat schon sehr lange auf diesen Moment gewartet.

Was soll ich sagen? Wir genießen beide unser Glück  – und der kleine böse Wind ist uns gerade mal einfach egal.

Spot an

Tataaaaa! Spot an!


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Kaffeeschaumengel

Ich finde ja, Engel kann man grundsätzlich immer mal gut gebrauchen. Man kann sie beschwören, sie herwünschen oder auch mal zu jemandem hinschicken, damit das gerade diensthabende Engelwesen auf diesen Jemand gut aufpasst.

Aber das? Ein Engel in meinem Cappuccinoschaum? Zart und schon ein bisschen undeutlich, aber noch immer klar erkennbar. Zwei Flügel, ein Röckchen und ein Kopf. Ein Engel eben. Naja, eher ein Engel-chen.

Ich frage mich natürlich, wer den Engel geschickt hat. Und worauf dieser Engel in meiner Tasse wohl aufpassen soll (Auf die Menge meines Kaffeekonsums? Darauf, dass ich mir nicht den Mund verbrenne? Dass ich die Tasse nicht zerdeppere? Die Gassirunde mit meinem Hund nicht vergesse vor lauter kaffeebeflügelter Arbeitsamkeit?), da verschäumt er schon. Der kleine Engel.


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Tomatig-schöne Schokoladen-Tage

„Das ist die definitiv aller-aller-allerletzte halbe Tomate!“
Ich betrachte das kleine Ding. Und mir ist ziemlich zum Heulen.

„Ach komm!“
Die beste Hälfte aller Zeiten schaut mir über die Schulter.„Stimmt gar nicht! Es gibt sie im Supermarkt. Und sogar im Bioladen, wenn du willst. Immer!“

Warum versteht er es nicht? Kann er denn nicht sehen, was ich sehe? Tomatenwunder an der Hauswand.
Vorfreude pur.

Auf (fast) endlos viele tomatig-schöne Tage!

Hat er das etwa schon vergessen?

Und jetzt? Jetzt ist diese wunderschönste Tomatenzeit vorbei.
Die aller-aller-aller-allerletzte ihrer Art, mühsam nachgereift auf der Fensterbank, liegt jetzt zerstückelt und verletzt vor meinen Augen auf dem doofen Küchenbrett.

„ES IST DIE LETZTE!“, rufe ich aus. Und die Verzweiflung zittert in meiner Stimme.

Weil: Ich bin ja Schuld. Ich habe sie nicht verschont. Ich habe sie von der Fensterbank genommen und auf das Brett gelegt. Ich habe sie aufgeschnitten und die Hälfte von ihr (der aller-aller-aller-aller-letzten Tomate aus dem Garten!) gierig einfach in den Mund gesteckt.
Hmpf. Weg. Unwiederbringlich.
Grausamer halber Tomatentod!

Die halbe Tomate liegt gerade noch da. Ganz verletzlich sieht sie aus und zart – und auch ein bisschen blässlich – und dann: Dann ist sie auf einmal weg.

Wie der Blitz ist die Hand der besten Hälfte, die ich je hatte, aus dem Hinterhalt nach vorne geschossen, hat die aller-aller-aller-aller-letzte halbe Tomate gekrallt und …
Meine beste Hälfte mampft und verdreht die Augen.
„War eh nix mehr. Kein Geschmack. Unsere Fensterbank ist eben kein Gewächshaus!“

Und da, wo vorhin noch die fast-ganz-rote, aller-aller-aller-aller-letzte halbe Tomate war, steht jetzt wie von Geisterhand hingepflanzt – Ohh! Ahhh! Hurra! –
der aller-aller-aller-aller-erste ganz komplette Mini-Schokoladen-Weihnachtsmann.

„Passt eh viel besser zur Jahreszeit!“, sage ich nach ein paar Sekunden und lecke mir den Schokoladen-Mund.
Ich rechne blitzschnell: Noch ungefähr 32 Tage bis Weihnachten.

Vorfreude pur!
Auf mindestens 32 schokoladig-schöne Tage!

PS: Ein Foto vom allerersten Weihnachtsmann gibt’s leider nicht. Der Fotograf war einfach zu langsam. Sorry!


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Ach, dieses Huhn!

„Ja und wo soll es hin?“
Meine beste Hälfte schaut. Fragend. Ach was, zweifelnd.

So ein blaues Huhn braucht einen Platz. Klar. Und so ein ausnehmend schönes blaues Huhn braucht auch einen extra schönen Platz.

Ich denke nach. Aber es nutzt nichts. So geht das nicht.
„Können wir das nicht noch entscheiden, wenn wir es gekauft haben?“
Ich sehe mich schon durch den Garten streifen, mit dem Huhn in der Hand.

Aber noch ist es nicht so weit. Denn: Vor den Kauf setzte Gott die Entscheidung. Und meine beste Hälfte bleibt hartnäckig. Ich sehe, wie die Bilder von unserem Garten n seinem Kopf wechseln wie bei einer Diashow.

„Vielleicht auf den Zaun? Sie gehört auf den Zaun, dahin, wo die Rose blüht“, sagt er schließlich. „Weißt du, da ist ja auch dieses nutzlose Rohr im Zaun. Und da könnte ich dann – mit einem Moniereisen aus dem Baumarkt…“

Ich habe nicht zugehört. Ich habe nur das blaue Huhn im Kopf und im Blick. Es sitzt neben dem braunen Huhn. Es hat mir sofort gefallen. Dieser Blick! Und das elegante Blau!

Doch meine beste Hälfte wiegt den Kopf. Sein Blick schweift. Über üppige kleine Frauen in Bikinis, über einen fetten Frosch. Er bleibt hängen an einer schönen Königin in rotem Kleid.

„Guck mal – die hier. Wäre die nicht auch..? Und die könnte ich auch viel besser am Zaun festmachen. Die würde da doch auch viel besser hinpassen!“

Ich sage nichts. Er hat Recht, Die Königin auf dem Zaun wäre super.

Ich deute vorsichtig auf das Huhn. Es passt irgendwohin. Es passt in den Garten und es passt zu mir. Wenn es erst mal da ist, wird alles gut. Ganz sicher.
Außerdem ist in unserem Garten ja gar kein Platz für eine zweite Königin.

Ich lächle ihn an.
Er sieht mich an. Lacht, obwohl ich keinen Ton gesagt habe.

„Also das blaue Huhn. Okay.“, sagt er geschlagen. „Und so ein Moniereisen, das kann ich dann am Montag im Baumarkt kaufen.“

Was soll ich sagen? Das blaue Huhn ist jetzt bei uns. Natürlich. So ein Eisen haben wir nicht gekauft. Ich habe einen zerbrochenen Stein gefunden und das Huhn einfach drauf gesetzt.

Es sitzt ganz nah am Tisch. Unter dem roten Sonnenschirm. Das ist der beste Platz, finde ich. Vorerst jedenfalls.

 


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Endlich geschnappt! 

Vor längerer Zeit bat mich mal eine Mitbloggerin um ein Foto von der Aussicht aufs Hörnle. Ich hab oft dran gedacht, aber immer zu spät – nie hatte ich bei der Hunderunde ein fotografierfähiges Dings dabei.

Aber jetzt: Schnappschuss!

Nur ein Handyfoto, sorry – aber immerhin mit Schnee drauf und ohne Regentropfen vor der Linse. Bin stolz auf mich – wenigstens ein kleines bisschen…