Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt


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Tomatig-schöne Schokoladen-Tage

„Das ist die definitiv aller-aller-allerletzte halbe Tomate!“
Ich betrachte das kleine Ding. Und mir ist ziemlich zum Heulen.

„Ach komm!“
Die beste Hälfte aller Zeiten schaut mir über die Schulter.„Stimmt gar nicht! Es gibt sie im Supermarkt. Und sogar im Bioladen, wenn du willst. Immer!“

Warum versteht er es nicht? Kann er denn nicht sehen, was ich sehe? Tomatenwunder an der Hauswand.
Vorfreude pur.

Auf (fast) endlos viele tomatig-schöne Tage!

Hat er das etwa schon vergessen?

Und jetzt? Jetzt ist diese wunderschönste Tomatenzeit vorbei.
Die aller-aller-aller-allerletzte ihrer Art, mühsam nachgereift auf der Fensterbank, liegt jetzt zerstückelt und verletzt vor meinen Augen auf dem doofen Küchenbrett.

„ES IST DIE LETZTE!“, rufe ich aus. Und die Verzweiflung zittert in meiner Stimme.

Weil: Ich bin ja Schuld. Ich habe sie nicht verschont. Ich habe sie von der Fensterbank genommen und auf das Brett gelegt. Ich habe sie aufgeschnitten und die Hälfte von ihr (der aller-aller-aller-aller-letzten Tomate aus dem Garten!) gierig einfach in den Mund gesteckt.
Hmpf. Weg. Unwiederbringlich.
Grausamer halber Tomatentod!

Die halbe Tomate liegt gerade noch da. Ganz verletzlich sieht sie aus und zart – und auch ein bisschen blässlich – und dann: Dann ist sie auf einmal weg.

Wie der Blitz ist die Hand der besten Hälfte, die ich je hatte, aus dem Hinterhalt nach vorne geschossen, hat die aller-aller-aller-aller-letzte halbe Tomate gekrallt und …
Meine beste Hälfte mampft und verdreht die Augen.
„War eh nix mehr. Kein Geschmack. Unsere Fensterbank ist eben kein Gewächshaus!“

Und da, wo vorhin noch die fast-ganz-rote, aller-aller-aller-aller-letzte halbe Tomate war, steht jetzt wie von Geisterhand hingepflanzt – Ohh! Ahhh! Hurra! –
der aller-aller-aller-aller-erste ganz komplette Mini-Schokoladen-Weihnachtsmann.

„Passt eh viel besser zur Jahreszeit!“, sage ich nach ein paar Sekunden und lecke mir den Schokoladen-Mund.
Ich rechne blitzschnell: Noch ungefähr 32 Tage bis Weihnachten.

Vorfreude pur!
Auf mindestens 32 schokoladig-schöne Tage!

PS: Ein Foto vom allerersten Weihnachtsmann gibt’s leider nicht. Der Fotograf war einfach zu langsam. Sorry!

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Ach, dieses Huhn!

„Ja und wo soll es hin?“
Meine beste Hälfte schaut. Fragend. Ach was, zweifelnd.

So ein blaues Huhn braucht einen Platz. Klar. Und so ein ausnehmend schönes blaues Huhn braucht auch einen extra schönen Platz.

Ich denke nach. Aber es nutzt nichts. So geht das nicht.
„Können wir das nicht noch entscheiden, wenn wir es gekauft haben?“
Ich sehe mich schon durch den Garten streifen, mit dem Huhn in der Hand.

Aber noch ist es nicht so weit. Denn: Vor den Kauf setzte Gott die Entscheidung. Und meine beste Hälfte bleibt hartnäckig. Ich sehe, wie die Bilder von unserem Garten n seinem Kopf wechseln wie bei einer Diashow.

„Vielleicht auf den Zaun? Sie gehört auf den Zaun, dahin, wo die Rose blüht“, sagt er schließlich. „Weißt du, da ist ja auch dieses nutzlose Rohr im Zaun. Und da könnte ich dann – mit einem Moniereisen aus dem Baumarkt…“

Ich habe nicht zugehört. Ich habe nur das blaue Huhn im Kopf und im Blick. Es sitzt neben dem braunen Huhn. Es hat mir sofort gefallen. Dieser Blick! Und das elegante Blau!

Doch meine beste Hälfte wiegt den Kopf. Sein Blick schweift. Über üppige kleine Frauen in Bikinis, über einen fetten Frosch. Er bleibt hängen an einer schönen Königin in rotem Kleid.

„Guck mal – die hier. Wäre die nicht auch..? Und die könnte ich auch viel besser am Zaun festmachen. Die würde da doch auch viel besser hinpassen!“

Ich sage nichts. Er hat Recht, Die Königin auf dem Zaun wäre super.

Ich deute vorsichtig auf das Huhn. Es passt irgendwohin. Es passt in den Garten und es passt zu mir. Wenn es erst mal da ist, wird alles gut. Ganz sicher.
Außerdem ist in unserem Garten ja gar kein Platz für eine zweite Königin.

Ich lächle ihn an.
Er sieht mich an. Lacht, obwohl ich keinen Ton gesagt habe.

„Also das blaue Huhn. Okay.“, sagt er geschlagen. „Und so ein Moniereisen, das kann ich dann am Montag im Baumarkt kaufen.“

Was soll ich sagen? Das blaue Huhn ist jetzt bei uns. Natürlich. So ein Eisen haben wir nicht gekauft. Ich habe einen zerbrochenen Stein gefunden und das Huhn einfach drauf gesetzt.

Es sitzt ganz nah am Tisch. Unter dem roten Sonnenschirm. Das ist der beste Platz, finde ich. Vorerst jedenfalls.