Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt


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Verball-hornt?

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Kuh mit stoßgedämpften Hörnern. Ist doch eine tolle Idee, oder? Was meint ihr so?

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Frühlingsglück

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Ist sie nicht schön?

Sie ist die Schönste! Was für ein Blick! Augenringe, wie mit dem Pinsel hingemalt! Und erst die ganze Gestalt!
Ich mag sie. Sie steht ein bisschen allein, sie sucht keinen Streit, wie die anderen, die ihre Kräfte messen, nach der langen Stall-Winterzeit ihre Energie ausleben wollen auf der grünen Weide.
Das erste Mal draußen! Zum ersten Mal den Weg zur Wiese gefunden! Zum ersten Mal an meinem Gartenzaun vorbei galoppiert: Die Milchkühe des netten Bauern-Nachbarn.
„Sie ist relativ neu!“, sagt er über meine Schöne. „Sie muss sich erst noch richtig eingewöhnen.“
Nachbarn und Kinder stehen da und schauen zu, wie die Schöne und mit ihr alle anderen Kühe auf der Weide durcheinander laufen, ihr lautes „Muh“ mit lang gestrecktem Hals hinausposaunen in die warme Luft, die endlich wie Frühling riecht. Sie rennen los und beruhigen sich, schnauben, fangen zu fressen an, stapfen durch Gras und Löwenzahn.

Ein Dorfereignis, ein freudiges!

Das war am Samstag. Heute luge ich von meinem Schreibtisch aus nach draußen. Dorthin, wo das Stück eines gefleckten Rückens oder einer rosa Schnauze ab und zu auftauchen sollte: Nix. Nur Regenbänder. Die Kühe haben Stallarrest.
Das Frühlingsglück macht Pause.


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Wasser

Komisches Gefühl, wenn verschiedene, widerstrebende Eindrücke zugleich auf mich einstürmen. Beim Spaziergang gab es plötzlich Seen, wo noch nie welche waren und Bäche statt Asphalt. Der ferne Fluss toste bis zu mir herauf – und später hörte ich im Radio von Windhosen in Bayern.

Aber es gab auch die eine weiße Wolke, die wie leichte Seide das klitzkleine Stück Himmel verdeckte. Es gab weißen Dunst, der schüchtern am Waldrand ausgebreitet lag. Und den Vögeln wars sowieso piep-egal. Sie sangen und flogen als wär alles wie immer. Frühling? Oder noch immer Winter? 

Zwei Milane kreisen ruhig über mir und dem vielen Wasser und über dem Dunst. Ich beneide sie ein bisschen wegen ihrer wunderbaren Flugkünste und wegen ihres federleichten Überblicks. 


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Eine Kuh wie Audrey Hepburn ;-)

Here she is: Die Eine, besonders Hübsche, Neugierige,..

Here she is: Die Eine, besonders Hübsche, Neugierige,..

Es ist ein Stück Wunderwelt, jeden Tag aufs Neue. Ich sitze am Schreibtisch und sehe hinaus – und manchmal warte ich schon auf sie. Sie strukturieren meinen Tag und nehmen so manches Text-Problem einfach unter ihre gemütlich schreitenden Hufe. Jeden Tag so um fünf nachmittags, bei Regen und Sonne, den ganzen Sommer lang. Sechzehn Stück sind es derzeit. Hellbraun einfarbig oder wunderschön gelblich und weiß gefleckt sind sie. Die jüngeren preschen voran, bedrängen sich gegenseitig, haben es trabend eilig, in den Stall zu kommen. Die älteren schreiten behäbig mit schaukelndem Euter und bedächtigem Blick.
Und dann gibt es die eine, besonders Hübsche, die mich an das Kinderbuch über die Abenteuer von Mama Muh erinnert. Sie schreitet nicht und sie trabt auch nicht. Sie geht nicht einfach so. Sie flaniert. Ja – ich glaube, wenn sie ein Handtäschchen tragen könnte, würde sie es kokett schwenken wie einst Audrey Hepburn. Sie hätte einen feschen Blumenhut und hohe Absätze und jedenfalls bunte Klamotten.
Aber sie ist halt einfach eine Kuh.
Dennoch: Sie ist die eine, die am Zaun stehen bleibt und sich noch schnell die besonders leckeren Grashalme einverleibt, die da am Rand unbeachtet vom Rasenmäher wachsen dürfen. Ich sehe, wie sie gelassen den großen Kopf senkt und mahlend futtert. Wie sie unbeeindruckt langsam sich wieder aufmacht, als der Jungbauer von hinten sich nähert und mit seinem Fahrrad ins Schlingern gerät, weil er langsamer nicht mehr fahren kann. Ein Stück weiter hinten dann schlägt sie noch einen Haken und nimmt im Vorbeigehen genüsslich eine Baumrinden-Schubbermassage mit, bevor sie in gebührendem Abstand zu den Kolleginnen endlich mit wiegenden Hüften im Stall verschwindet.
Ich hoffe sehr, der Billig-Milch-Wahnsinn, der dem Bauern die Stirn zerfurcht und ans Aufgeben denken lässt, wird durch ein Wunder bald enden.
Ich würde sie unsäglich vermissen, diese alltägliche Wunderwelt.

PS: Also Leute – morgen beim Kühlregal dran denken, gell?


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Brötchen? Semmeln!

Schon beim Betreten der Bäckerei überfällt mich Schüttelfrost. Angstschweiß auf der Stirn. Zittern und Zähneklappern. Die schöne Bäckerin lächelt mir entgegen. „Griaß di“, ruft sie gut gelaunt wie immer. Wartet geduldig, nach welchen Brötchen, äh – Semmeln, es mich heute gelüstet.
Mein Puls beruhigt sich. Ein bisschen. Denn rede ich mich erstmal raus.
„Hal-lo-ho und gu-hu-ten-Mo-hor-gen!“, flöte ich im schönsten Singsang, den ich zustande bringe und blicke strahlend.
Die Bäckerin schaut mich freundlich an. Ich suche Brötchen, ach nein zum Donner: SEM-MELN !!! aus. Vollkorn und Müsli und Kürbiskern und Laugen. Während ich auf die leckeren Semmeln zeige, macht mein Sprechwerkzeug Trockenübungen.
Es ist eigentlich nicht soooooo unbegabt. Bringt so allerhand nahezu fehlerfrei hervor: Good Morning und Good Bye, Buenos dìas und Arrivederci, Bom dia und Adeus, Salü und Au revoir, Hejdå, Ciao, Ade – und Tschüßle, ja das auch .
Aber diese eine Kombination aus Lauten, diese Ballung aus Konsonanten, die nach der Explosion ihres Hervorbringens sofort abschwenken soll in ein weich zusammengebackenes Vokalkonglomerat . Das dann aber gleich ausschwingen soll, indem das Weiche leicht stoppt mit an den Zähnen angetippter Zunge, um dann sofort auf den nur hingehauchten Problemvokal „i“ zu hüpfen – das schafft mein Sprechwerkzeug nur ziemlich lückenhaft. Ich hab’s geübt. Ehrlich. Und es klang: Furchtbar!
Aber ich will… ich würde so so gerne… endlich diesen Gruß erwidern, der mir so schön in den Ohren klingt.
Die Bäckerin packt die Brötchen – Seufz: SEMMELN!!! – in die Tüte, ich zähle Geld auf den Tresen. Lächle, freu mich schon. Darauf, dass es erklingt. So dahingesagt, gedankenlos und gewohnheitsmäßig vorgebracht, wunderbar weich und schön: „Pfiat’di“.
Sie sagt es. Natürlich. Wie immer.
Und ich? Spitze schon die Lippen, denke jeden Laut, jeden Buchstaben, schmecke, schmatze, fühle vor, schon bewegt sich das „pf“ auf meine Lippen zu, legt sich das kurze, „ia“ auf meine Zunge, öffnet sich kurz, um gestoppt zu werden vom weichen Zungenschlag des „t“ und „d“ gegen den Gaumen. Die Bäckerin schaut. Fragend. Freundlich wartend. Ich schließe die Augen. Halte die Luft an, der Angstschweiß ist wieder da.
Jetzt.
Sofort.
Nix denken!
Raus damit!!
”Pf…“
Mein Herz rast, mein Kehlkopf zuckt.
„Pfiat’di“
!!
Es steht vor mir das Wort. Schwingt noch ein bisschen.
Blinzelnd sehe ich, dass die Bäckerin noch da steht wie vorhin. Sie lächelt. Sie stöhnt nicht. Sie krümmt sich nicht vor Schmerz. Nicht mal den kleinsten Seufzer gibt sie von sich.
Ich strahle. Stolz! Packe die Brötchen – ohmeinGottdasgibtsdochgarnicht: SEMMELN – Tüte und tanze raus.
Na bitte!
Geschafft.
Das ist mein Tag. Eindeutig!

Schwingender Gruß


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Schippfasten

Ich bin traurig. Schon fast verzweifelt.
Denn das war’s wohl erstmal: Keine körperliche Ertüchtigung mehr ganz ohne Muckibude. Kein wie hingezauberter Muskelzuwachs und kein (fast) tägliches Training ganz ohne Schweinehunds Einmischung. Ran an die blaue Schaufel? – Phh – Arbeitslos steht sie da, die blaue Schaufel, ich neben ihr, den Blick sehnsuchtsvoll zum Himmel erhoben. Keine Flocke in Sicht. Stattdessen ein paar versprengte Regentropfen.
Schnee, wo bist du bloß geblieben?

Mal abgesehen davon, dass das weiße Zeugs einfach himmlisch aussieht – ob nun mit Sonnensternchen gespickt …

Schneeglitzern

Weiße Glitzerei

… oder als malerische Zaunverzierung wie Watte hindrapiert.

– Auch dass mein Hund irgendwie mit dem weichen Weiß verschmelzen kann: Geschenkt!

 Und dass es ganz nett ist, auf ihm mit und ohne Bretter herumzurutschen, das lasse ich mal total beiseite.

Das Wichtigste ist: Ohne (Neu)-Schnee kein Schneeschaufeln!
Brötchen zum Frühstück? Nicht ohne Schaufeln!
Briefe bergen aus dem Briefkasten? Die blaue Schaufel in lustigem Hin und Her voran!
Mit dem Auto irgendwohin fahren? Schneeschaufeln UND Ausbuddeln und hingebungsvoll Abkehren (Vorsicht Lackkratzer)!
Ach! Es waren herrliche Zeiten! Endlich keine Ausreden mehr! Training, Training, Training! Sportliches Schippen wochenlang! Gigantoschneesupertoll!

Aber das Training war eigentlich nur Nebensache. Denn: Schneeschippen = Selbsterkenntnis! Jawoll: Sage Dir, wie du schippst und Du erkennst, wer Du bist!
Also, um ehrlich zu sein: Meine beste Hälfte, von der ich hier sonst so viel Lobenswertes zu sagen weiß, der ist eher so der Kreuzundquergenussschipper. So – mal ein bisschen rechts und ein bisschen links und später mal geradeaus und am Ende: „Habe ich jetzt echt eineinhalb Stunden gebraucht?“

Ich aber bin da ganz anders. Völlig anders!!
Ich brauche erstmal einen Plan. Einen Schneeschippplan. Dazu vermesse ich die Fläche, die ich zu schippen habe, teile diese in Schneeschippenreichweiten ein, nehme sie mal Pi, rechne die Wurzel aus dem Ganzen und teile sie schließlich in Schrittlängen.
Alles klar?
Also so: Vom Hauseingang sind es ein- bis eineinhalb Reichweiten (die relative Unschärfe, ob es sich um eine oder eineinhalb Längen handelt, ergibt sich aus Menge, Dichte, Temperatur und Körnigkeit des Schnees – Befragen Sie dazu bitte den Wetterdienst Ihres Vertrauens) – und zwar schnustracksgeradeaus zur weiß bedeckten Wiese hin. Dann – schwupp – lockerer beidhändiger Armschwung nach vorn: Schnee ablagern am Wegrand in ordentlichem Haufen.
Es folgt eine exakte 90 Grad Drehung nach rechts, Schaufel voraus, dem sich ein ein beachtliches Geradeschiebstück anschließt, das mit einer bis zwei Wurfabladungen – diesmal nach links – eine schneefreie Schneise schafft zur Mülltonne.
Kehrtwende – jetzt kommt der ganze Rest.
Ich gebe es zu: Die fünfundvierzig-Grad-Technik mit leicht schwingender Schippe, möglichst wenigen Schritten und jeweils leichter Hüftdrehung wechselweise nach rechts und links, die musste ich erst üben. Inzwischen beherrsche ich sie fast perfekt. Und die Häufen, entstanden durch den beidhändigen Schrägabwurf: Wunderschön anzusehen und hübsch nebeneinander angeordnet!

Schaufel sucht Schnee

Schaufel sucht Schnee

Und jetzt? 
Ich stehe, siehe oben, bei der Schippe, der blauen, und weine mit ihr um die Wette, gemeinsam mit den Regentropfen, die die schönen weißen Häufen löchrig durchbohren. Der Schnee schmilzt – und meine Muckis mit ihm. Kein Fitzelchen zum Schaufeln da.

Naja – eigentlich, wenn ich auf den Kalender schaue: Ich geb’s zu, ein bisschen Enthaltsamkeit muss sein. Schließlich ist Fastenzeit. Auf irgendwas muss ich ja wohl verzichten.