Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt


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Trainingspferd oder Training mit Pferd?

PferdPferde sind echt nützliche Tiere. Denke ich mir so. Man kommt von A nach B mit ihnen (wenn man reiten kann). Und ich glaube, das geht ziemlich fix (wenn man schnell reiten kann). Und manchmal lädt es auch zum Chillen ein (siehe Foto).
Auch für mich ist das Pferd, das ab und zu auf der Weide nicht weit von hier rumsteht und frisst, echt und wirklich sehr nützlich!
Weil: Mein Hund und das Pferd, die, naja, wie soll ich sagen, die haben ein kompliziertes Verhältnis. Weil die reden immer aneinander vorbei. Mein Hund sagt: Hurra!! Spielen!! Und das Pferd sagt: Was willst du denn, du Hund? Komm nur her, du Hund. Ich bin garantiert viel größer als du – und wenn ich mich auf die Hinterbeine stelle, dann bin ich NOCH viel größer als Du.
Oder: Das Pferd sagt: Oh. Du riechst aber gut! (und schnufft über den Zaun weg über den ganzen Hunderücken lang)
Und mein Hund sagt: Nix.
Und ich sage: Schnell weg hier!

So ähnlich geht das immer zwischen dem Pferd, meinem Hund und mir.
Und weil der Schnell-weg-hier-Impuls immer stärker in mir wird, gehe ich dem Pferd aus dem Weg.
Ist ja eigentlich leicht, weil das Pferd ja hinter dem Zaun ist und ich davor.
NUR: Einer meiner lieben Spazierwege führt ziemlich nah an dem langen langen Zaun vorbei. Ohne Ausweichmöglichkeit oder Bogengangplatz. Ganz dicht. (Hundehurra oder Pferdeschnuppern inklusive).
Also geh ich da nur lang, wenn das Pferd NICHT auf der Weide ist. So wie neulich. Da war es auch nicht da. Genauer gesagt: Erst nicht da.

Aber als ich zurück kam vom Spaziergang – ihr ahnt es schon: Das Pferd graste da so rum und freute sich schon, als es uns von weitem sah. Auch der Hund zog wie Bolle an der Leine.

Seht ihr: So ein Pferd  – und speziell dieses – ist sehr doll nützlich. Denn natürlich blieb mir nix übrig, außer: Einmal den ganzen Weg zurück und dann in gaaaaanz großem Bogen durchs halbe Dorf. Zwei bis fünf Querwege und gefühlte siebeneinhalb Kilometer später hatten wir’s geschafft: Das Pferd war umrundet. Links liegen gelassen, Begegnung vermieden.

Ein supertoll nützliches Trainingspferd, das!

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Brötchen? Semmeln!

Schon beim Betreten der Bäckerei überfällt mich Schüttelfrost. Angstschweiß auf der Stirn. Zittern und Zähneklappern. Die schöne Bäckerin lächelt mir entgegen. „Griaß di“, ruft sie gut gelaunt wie immer. Wartet geduldig, nach welchen Brötchen, äh – Semmeln, es mich heute gelüstet.
Mein Puls beruhigt sich. Ein bisschen. Denn rede ich mich erstmal raus.
„Hal-lo-ho und gu-hu-ten-Mo-hor-gen!“, flöte ich im schönsten Singsang, den ich zustande bringe und blicke strahlend.
Die Bäckerin schaut mich freundlich an. Ich suche Brötchen, ach nein zum Donner: SEM-MELN !!! aus. Vollkorn und Müsli und Kürbiskern und Laugen. Während ich auf die leckeren Semmeln zeige, macht mein Sprechwerkzeug Trockenübungen.
Es ist eigentlich nicht soooooo unbegabt. Bringt so allerhand nahezu fehlerfrei hervor: Good Morning und Good Bye, Buenos dìas und Arrivederci, Bom dia und Adeus, Salü und Au revoir, Hejdå, Ciao, Ade – und Tschüßle, ja das auch .
Aber diese eine Kombination aus Lauten, diese Ballung aus Konsonanten, die nach der Explosion ihres Hervorbringens sofort abschwenken soll in ein weich zusammengebackenes Vokalkonglomerat . Das dann aber gleich ausschwingen soll, indem das Weiche leicht stoppt mit an den Zähnen angetippter Zunge, um dann sofort auf den nur hingehauchten Problemvokal „i“ zu hüpfen – das schafft mein Sprechwerkzeug nur ziemlich lückenhaft. Ich hab’s geübt. Ehrlich. Und es klang: Furchtbar!
Aber ich will… ich würde so so gerne… endlich diesen Gruß erwidern, der mir so schön in den Ohren klingt.
Die Bäckerin packt die Brötchen – Seufz: SEMMELN!!! – in die Tüte, ich zähle Geld auf den Tresen. Lächle, freu mich schon. Darauf, dass es erklingt. So dahingesagt, gedankenlos und gewohnheitsmäßig vorgebracht, wunderbar weich und schön: „Pfiat’di“.
Sie sagt es. Natürlich. Wie immer.
Und ich? Spitze schon die Lippen, denke jeden Laut, jeden Buchstaben, schmecke, schmatze, fühle vor, schon bewegt sich das „pf“ auf meine Lippen zu, legt sich das kurze, „ia“ auf meine Zunge, öffnet sich kurz, um gestoppt zu werden vom weichen Zungenschlag des „t“ und „d“ gegen den Gaumen. Die Bäckerin schaut. Fragend. Freundlich wartend. Ich schließe die Augen. Halte die Luft an, der Angstschweiß ist wieder da.
Jetzt.
Sofort.
Nix denken!
Raus damit!!
”Pf…“
Mein Herz rast, mein Kehlkopf zuckt.
„Pfiat’di“
!!
Es steht vor mir das Wort. Schwingt noch ein bisschen.
Blinzelnd sehe ich, dass die Bäckerin noch da steht wie vorhin. Sie lächelt. Sie stöhnt nicht. Sie krümmt sich nicht vor Schmerz. Nicht mal den kleinsten Seufzer gibt sie von sich.
Ich strahle. Stolz! Packe die Brötchen – ohmeinGottdasgibtsdochgarnicht: SEMMELN – Tüte und tanze raus.
Na bitte!
Geschafft.
Das ist mein Tag. Eindeutig!

Schwingender Gruß