Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt


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Das Regengeschenk

Regen.
Er flüstert den Blättern des alten Zwetschgenbaums etwas ins Ohr und zugleich plätschert er die Regenrinne am Gartenhaus hinab. Auf der Wiese ist er ein gleichmäßig knisternder Klangteppich knapp über den Grashalmen.
Überall sanftes Rieseln und Rascheln, ein paar einzelne Tropfen fallen wassersatt zu Boden. Platsch. Manche tröpfeln mit spitzem Plitschplitschplitsch – je nach Größe machen sie ein anderes Geräusch.
Es rauscht weltumfassend. Es gluckert und schmatzt, und plötzlich vom Wind angetrieben, schwillt das gleichmäßig ruhige Pladdern zum schwatzenden Getöse, und aus dem Einheitsfortissimo werfen sich ein paar versprengte Tropfenkollegen in meine Richtung, landen auf meinen Händen, auf der Hose und auf meinem Haar.
Die Kaffeetasse ist sowieso längst leer. Ich verlasse meinen schön geschützten Balkonpausenplatz und gehe zurück an den Schreibtisch.
Und beinahe hätte ich sie verpasst, die Light-Show zur Regenmusik!

Regenbogen

Lichtspiel im Konzert der Tropfen

 


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Schon wieder ein Stein..

Herzstein (NEIN: Kein Herz aus Stein!)

Herzstein (NEIN: Kein Herz aus Stein!)

…aber ein ganz besonderer.

Von der besten Hälfte, die ich je hatte, im Vorbeigehen gefunden und mir in die Hand gedrückt.

Und jetzt liegt er da, wo er gerade besser nicht liegen könnte.

Bessere Hälften und manche (alle?) Tätigkeiten haben halt einfach den Einsatz des ganzen Herzen verdient – oder etwa nicht?


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Konjunktiv-Stolpersteine

Vor ein paar Tagen habe ich mich mit der Mit-Bloggerin Clara Himmelhoch übers Steinsammeln hier ausgetauscht. Ich dachte, wenn ich mal darüber spräche, dass ich an allen steinigen Orten der Welt  den Zwang verspüre, mich zu bücken, um Steine jeder Form und Größe aufzuheben, wenn ich also sozusagen diese Sucht nach Steinen öffentlich machte, dann – ja dann, würde vielleicht ein Wunder geschehen.
Die Steine-Sammel-Leiden-Schaft würde erlöschen.
Eigentlich hatte ich sie ja schon ganz schön im Griff. Seit die beste Hälfte, die ich je hatte, ausrief, er werde nicht mehr für mich den Packesel machen, (Nie mehr!), seitdem ließ ich die dicksten Brocken links liegen. Aber auch kleine Steine sind, in der Masse betrachtet, im Weg, stapeln sich in Ecken, auf Simsen und auf Schreibtischplatten.
Also, so ein Suchtlöscher wäre was gewesen.
Leider: Es hat nicht gewirkt. Das Aussprechen des Steinesuch-Verlangens hat diese irgendwie noch befeuert. Gestern an der Ammer konnte ich nicht mehr an mich halten: Gestreift, zart liniert, gefleckt, verformt, kugelrund, oval, reichlich schräg, gerillt, genoppt, zerfurcht und irgendwie verknotet, rissig, glatt und weiß und grau, beinahe schwarz, dick, zackig, riesengroß und winzig, rau, ringelig, kurvig, silberglitzernd – alle Steine waren da.
Immerhin: Nur ein paar steckte ich in meine Jackentasche, die anderen fotografierte ich.

So weit, so gut. Und dann stolperte ich über IHN.
Der faustgroße Brocken lag mir vor den Füßen. Es war der ultimative Stein an diesem Nachmittag – ein Traum in glitzerweiß und grau, verschwurbelt und verschrundet, mit Kuhle in der Mitte und eine Art Abfluss quer drüber.
Er muss!, dachte ich. Er MUSS einfach mit!
Ich nahm ihn hoch, trug ihn ans seichte Ufer, um seine Unterseite abzuwaschen. Damit er ohne Schlamm gewesen wäre – in seiner ganzen Schönheit!
Er war schon ein bisschen schwer – aber gerade so, dass ich ihn locker hätte mitnehmen können.
Hätte!
Als Behälter hätte er dienen können.
Ein kleiner Ring hätte in die Vertiefung gepasst oder ein leeres Schneckenhaus, eine getrocknete Blüte oder ein anderer winziger Stein, eine Perle oder eine Glaskugel…

Hätte.
Wäre.
Könnte.

Hätte sich nicht jemand eingemischt, wäre das alles Wirklichkeit geworden.
Dieser Jemand war mein Hund. Er hat unbestritten wirklich keine Ahnung von Grammatik – aber er erschuf  das Hätte Gewesen Sein Können. Er schob seinen Kopf zwischen mich und den Stein, klatschnasses Fell streifte mein Gesicht, ich schimpfte los – und schon war der Stein für ihn leichte Beute.
Mein Hund fackelte nicht lange. Mit heiligem Eifer kickte er den Stein mit den Vorderpfoten weg. Immer unter seinem eigenen Bauch hindurch. Schwupp. Nochmal.  Schwupp. Und schon wieder. Schwupp-schwupp-schwupp. Zielsicher. Effektiv. Und ohne Konjunktiv.
Sehr schnell arbeitete er sich vor und war im Pfotenumdrehen da, wo auch die wasserfestesten Wanderschuhe kapituliert hätten. Und Winken und Rufen? Hätte ich mir sparen können: Mein Hund war mitten in der wichtigsten Arbeit und unablenkbar. DER Stein musste weg!
Und? Er schaffte es locker. Leicht. Elegant und sicher.
Nach den letzten Vorderpfoten-Schüssen landete der Stein mit dumpfem „Klock“ in der Strömung.
Geschafft!
Mein Hund, stolz wie Oskar, schwänzelte herbei, voll überzeugt: Das war 1A!  Zu hundert Prozent leckerliwürdig war das!

Ich lächelte überlegen. Denn ich kenne den Konjunktiv: Es hätte wirklich leckerliwürdig sein gekonnt!


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Laute(r) Böller

1.600 Böllerschützen ließen es krachen gestern in Böbing. Aus der halben Nation waren sie in den Pfaffenwinkel gereist  – und es gab wirklich ein Riesengeböllere und mindestens genauso viel Rauch und Dampf. War schon imposant anzusehen, auch wenn Waffen eigentlich nicht so mein Ding sind.

Dass die ganze Böllerei aber auch eine ganz schön durchschlagende Wirkung auf mancher Leute Phantasie hat, zeigt der Artikel, der heute über das Schützentreffen in den Schongauer Nachrichten erschienen ist. Hier die beiden Sätze, die ich am schönsten gefunden habe: «Eine Gruppe Frauen ohne Böller, dafür in prächtiger Stimmung. Daneben die Männer, die ihr Säcklein und den Ladestock zu tragen haben.«
Gottseidank – auch Wörter können Waffen sein…


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Erinnerung an ein Lied

Himmelsbild

Wolkengetöse

„Und immer immer wieder geht die Sonne auf…« Dieses Lied ging mir plötzlich im Kopf herum, als heute abend ich auf den Auslöser drückte. Ja, ich weiß, uralt ist es  – und außerdem von Katja Ebstein.

Was soll ich sagen: Auf die stand ich mal. Da war ich vier oder fünf oder vielleicht auch sechs. Lalaalalalalalalalaaaaalala, dudidudidudadadaaaadaaaaa. Ähem. Sorry. Ich sollte nicht singen. Jedenfalls nicht öffentlich.

Aber heimlich mache ich es schon. Nach einem grauen Regengusstag zum Beispiel. So wie heute, wenn plötzlich die Wolken sich ziemlich verpisst haben und ein bisschen blauer Himmel sich zeigt. Wenn die letzten Sonnenstrahlen des Tages um die Wette leuchten, um  ein Farbenfeuer über mir zu entfachen.

Ein bisschen singe ich dann. Was von Katja Ebstein oder den Toten Hosen, oder von sonstwem. Ganz egal.


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Sprachlos im Ammerland

Seufzen soll helfen, das habe ich jedenfalls gehört. Also los: *Seufz* Und?   -?? –

Vielleicht nochmal?  *SEUFZ*

Und nochmal? Doppelseufz? *Doppelseufz*

Na gut, es hilft nicht. Nicht gegen schlechtes Gewissen wegen andauernder Bloggerfaulheit.

Dabei war es eigentlich nicht wirklich Faulheit, die mich abgehalten hat, hier was zu schreiben. Eher schon *SEUFZ+RÄUSPER* – ja, ich gebe es nicht gerade gerne zu: Verlust meiner eigentlich angeborenen Freude (vielleicht sogar Sucht?), mich mittels geschriebener Buchstaben bemerkbar zu machen.

Sprachlos war ich.

Sprach-los staunend und stumm bewundernd. Sozusagen.

Was hätte ich auch schreiben sollen? Das fragte ich mich immer wieder – und wusste keinen Rat. Was kann ich noch sagen, was nicht schon längst tausende Male von anderen Staunern gesagt worden ist?

Über Berge, die hier allerorten aus dem Horizont wachsen – mal grau und wie durchsichtig, mal scharf und kantig und bläulich beschattet, mal von weißem Wolkenflaum umgeben und mal ganz und gar unsichtbar.

*Seufz*

Über die Blumenvielfalt, das Licht auf glänzenden Regentropfen, über Kräuterentdeckungen und zart betupftes Knabenkraut und Türkenbund.
*Seufz*

Über Pferde, die nur ein paar Schritte entfernt grasen und Kühe, die jeden Tag gemächlich vorm Gartenzaun entlang spazieren, die am Morgen mich wecken mit Fußgetrappel und nachmittags auf dem Heimweg mir sagen, dass es Zeit ist, den Tag ganz langsam zu beschließen.

*Seufz*

Über bunte Eier von der Bäuerin und Pilze, die hier jeder Nachbar kennt.

*Seufz*

Und über die Ammer – immer wieder ihr Schäumen und Plätschern, ihren gewundenen  Weg über die Steine.

*Seufz*

Und erst recht: Über so sehr freundliche Menschen, die sich Zeit nehmen für das, was wichtig ist.

*Seufz (ganz tief)*

Ganz ehrlich – *seufz* – ich weiß noch immer nicht, wie ich all das schreiben soll, ohne dass es kitschig klingt oder irgendwie falsch oder wie aus einem Werbeprospekt für den Pfaffenwinkel!

Nein. Es geht nicht. Wirklich nicht. Unmöglich. Nicht jetzt. Aber vielleicht, vielleicht, wenn ich noch ein bisschen übe?
Also von vorne: Seufzen soll helfen, habe ich gehört.

*Seufz*