Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt

Traurige Newsletter-Nachricht – und ein ernster Beitrag

4 Kommentare

 

Borkenkäfer-Alarm in Bayern

Bäume!

Ohje – gerade habe ich im LWF-Newsletter (Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft) gelesen, dass der Borkenkäfer in diesem Frühling sein Unwesen besonders treiben wird. Durch den milden Winter haben die meisten Käfer unter der Rinde von Fichten überlebt und sind nun zum Ausfliegen bereit. Wenn die Witterung so warm bleibt, dann, so die LWF, ist eine explosionsartige Vermehrung der Schädlinge zu erwarten.

Die Trockenheit tut wohl das ihre dazu: Die Bäume sind geschwächt und haben dem Ansturm der fresssüchtigen Käfer nichts entgegen zu setzen. Besonders gefährdet sind die Fichten in den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Landsberg und Dachau.
Schaut man die interaktive Karte des LWF über das  Borkenkäfer-Monitoring hier http://webgis.lwf.bayern.de/www/index.php an, sieht man, dass momentan ganz Bayern grün eingefärbt ist, also keine Warnstufe besteht. Nur für diese drei Kreise wurde eine Warnstufe für den Buchdrucker ausgegeben.

Der Buchdrucker ist vielleicht die gefährlichste Borkenkäfer-Art, weil er gesunde Fichten befällt und nicht nur – wie viele andere Arten – sich mit abgestorbenen Altholz begnügt. Viel Zerstörung hat aber in den letzten Jahren auch der Kupferstecker angerichtet.

Sehen kann man auch als Spaziergängerin schon in der Frühphase, ob ein Baum vom Buchdrucker befallen ist oder nicht. Denn am Fuß der Bäume findet sich zu Beginn braunes Bohrmehl, das man auf der Rinde und auch auf den Blättern der Pflanzen sehen kann, die unter dem Baum wachsen. Auch in Spinnweben können sich die Krümel verfangen.Beim Kupferstecher hat man diese Art der Frühdiagnose offenbar nicht.

Und sind die Schäden am Baum erstmal sichtbar, kann man offenbar nicht mehr viel für seine Rettung tun. So wie ich es verstanden habe, ist die Situation deswegen momentan kritisch, weil die milde Witterung und der frühe Ausflug der Tiere nach dem Winter dazu führt, dass ein Buchdruckerweibchen drei Jungkäfergenerationen in die Welt setzen kann, die sich wiederum vermehren. Die Waldschützer gehen davon aus, dass ein Käferweibchen bei günstigen Bedingungen so mehr als 100.000 Nachkommen produzieren kann.

Wirksame Gegenmittel gibt es wohl derzeit nicht. Die befallenen Bäume werden abgeholzt und vernichtet. Ein Mittel ist wohl die Entrindung der befallenen Bäume. Die unter der Rinde versteckten Larven sterben einfach ab.

Im Nationalpark Bayerischer Wald werden die befallenen Bäume, wenn möglich, gefällt, entrindet und liegen gelassen, damit keine schweren Maschinen den Waldboden zerstören. In der Naturzone wird gar keine Bekämpfung betrieben. Ich kann mich erinnern, einmal gelesen zu haben, dass es Streit um dieses Vorgehen gab. Während ein Teil des Bayerischen Waldes abgeholzt werden musste, weil der Borkenkäferbefall katastrophale Ausmaße hatte, hat man in einem anderen Teil des Waldes alles der Natur überlassen – und damit gute Erfolge erzielt. Der Wald verjüngte sich, auf den abgestorbenen Bäumen wuchsen neue, es gab weniger Erosion, größere Artenvielfalt.

Aber klar – sicher kann man das nicht überall so machen. Es dauert einfach zu lang, bis der Wald sich erholt. Und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie so ein Wald aussehen würde, wenn man dem Borkenkäfer das Feld überlassen würde. – Mich jedenfalls macht das alles traurig  – und auch ein wenig hilflos.

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4 Kommentare zu “Traurige Newsletter-Nachricht – und ein ernster Beitrag

  1. Ohweh …
    Des einen Freud, des anderen Leid.
    Mir hat es ohne Winter gut gefallen.

  2. Traurig und hilflos, das sind die richtigen Attribute. Die Schäden, die der Klimawandel anrichtet und noch anrichten wird, sind gar nicht zu überblicken. Du nennst ein gravierendes Beispiel. Wir Menschen haben immer noch nicht begriffen, dass wir nur Gast auf diesem Planeten sind und machen munter weiter, ihn zu zerstören.

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