Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt

Die „schöne Else“ – eine echte Glücksbringerin

6 Kommentare

Ich gebe zu, von der „Schönen Else“ habe ich bis heute noch nie etwas gehört. Und ich hätte bei meinem Spaziergang in Schöngeising den Baum auch ganz bestimmt im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen, wenn ein grünes Netz am Boden und ein knallrot gekennzeichneter Stamm mich nicht neugierig gemacht hätten. Der an den Baum gebundene Zettel klärte mich dann vollends auf: Es handle sich hier um ein Projekt der Bayerischen Staatsforsten und deshalb solle man die im grünen Netz gefangenen Früchtchen bitte auch da lassen. Zwecks Schaffung einer Erhaltungskultur.
Aha.
Ich spähe auf das Netz.  Und da – tatsächlich. Winzige Früchtchen an Stielen, oval und unscheinbar.  Elsbeeren vom Elsbeerbaum.
Elsbeeren? –  Ja. Ich bin eine Baum-Banausin und brauche das Internet für weitere Infos. Und die gibt’s zuhauf. Denn: Der Elsbeerbaum ist ein echtes Supertalent. Leider muss er besonders geschützt werden und wurde im Jahr 2011 zum Baum des Jahres gekürt. Grund: Er ist sehr selten geworden, weniger als ein Prozent der Waldfläche im gesamten Bundesgebiet sollen mit ihm bewachsen sein.
Dieser schöne Waldgenosse hat es wirklich in sich: Elsbeerenholz ist eines der härtesten in ganz Europa und es ist ein Luxusgut.  Bis zu 15.000,00 Euro werden heutzutage für einen einzigen Kubikmeter furnierfähiges Holz bezahlt. Das ist auch kein Wunder: Das Holz ist nicht nur selten, sondern auch ganz besonders:  Im Jahr 1900, bei der Weltausstellung in Paris, bekam es den Titel „schönstes Holz der Welt“.
Die Früchte, also besagte Elsbeeren, die so unscheinbar in dem grünen Netz liegen – wurden früher gegen Durchfallerkrankungen wie Ruhr oder Cholera eingenommen. Sie haben offenbar sehr viel Vitamin C und sollen sehr gut schmecken. Natürlich habe ich es nicht probiert: Brav habe ich das Pärchen, das auf dem Bild in meiner Handfläche zu sehen ist, wieder ins Netz gelegt.
Vielleicht hätte ich auch nichts vom Geschmack der Beeren gehabt: Ich lasse mich darüber aufklären, dass die Früchte zuerst Frost abbekommen sollten, bevor man sie isst oder weiter verwendet. Allerdings ist es wohl eh schwierig, an welche ran zu kommen. Die Beeren sind auch bei Waldbewohnern sehr beliebt: Vögel picken sie gerne auf, auch Kleinsäuger haben nichts gegen Elsbeere im Speiseplan. Das, so lese ich, ist unter anderem ein Grund, warum die Fortpflanzung der Baumart durch die Beeren so schwierig ist: Sie werden oft aufgefressen, bevor sie überhaupt in den Boden wandern können. Achja – die Blüten: Sie ähneln ein wenig den weißen Kirschblüten und sind eine wertvolle Bienenweide. Und die Blätter? Sie geben im Herbst ein prachtvolles rotes Bild ab.
Noch was? Klar, Geschichten gibt es über die Elsbeere auch: Die Kelten etwa glaubten, die Elsbeere könne Fluch und Unglück abwehren. Deswegen umpflanzten sie ihre Opfersteine und Kultstätten häufig mit dieser Baumart. Und auch bei den Germanen galten alle Bäume der Art „Sorbus“ (Vogelbeere, Mehlbeere, Speierling und Elsbeere) als Glücksbringer.
Der Baum mit dem schönsten Holz der Welt und ein Glücksbaum dazu! Ich schwöre: Nie mehr werde ich ihn links liegen lassen!

Übrigens: In Niederösterreich gibt es eine Gegend, in der besonders viele Elsbeeren-Bäume wachsen. Es handelt sich um Michelbach westlich von Wien. Hier gibt es immer am zweiten Samstag im Mai einen „Elsbeertag“, an dem sehen und schmecken kann, was dieser Baum so alles zu bieten hat. (Näheres unter www.elsbeerreich.at)
Weitere Infos gibt es zum Beispiel hier: http://baum-des-jahres.de/index.php?id=404
Und hier noch eine Sage: www.sagen.at/texte/sagen/schweiz/allgemein/feengrotte.html

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6 Kommentare zu “Die „schöne Else“ – eine echte Glücksbringerin

  1. „Ja. Ich bin eine Baum-Banausin und brauche das Internet für weitere Infos.“ – da bist du in zahlreicher und vielleicht sogar guter Gesellschaft, denn leider verstädtert der Mensch ja immer mehr.

  2. Und wieder sehr ausführlich und umfassend recherchiert! 🙂
    Kannte ich bislang auch nicht, die Elsbeere.
    Dabei komm‘ ich vom Land. 😉

  3. Wundervoll in ein prächtiges Wortkleid gefaßt der Elsbeerbaum, der im bunten Herbstkleid steht – sollte es sich je ergeben, dass Du auf eine Veranstaltung von mir mitkommst, wär es ein riesiges Geschenk, diese von Dir dann in so eslbeeren-leichter Weise geschildert zu bekommen.
    Ja und die Elsbeere war mir – die immer dachte, dass ich keine Baum-Banausin bin – bislang unbekannt.
    Danke Dir :-))))

    • Ach du! Wie schön! Und sehr gerne würde ich das machen! Ja – und stell dir vor: Da waren gleich mehrere! Wir können ja im Frühling zusammen hin und schauen, wie sie blühen?

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