Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt

Seitenstreifenbegegnung

4 Kommentare

Diesmal komme ich nicht mit einem Foto zur Geschichte nach Hause. Diesmal war ich einfach zu langsam. Naja- ich gebe zu, auch wenn ich schneller gewesen wäre, hätte es nicht viel genützt. Denn ein Foto aus dem Auto heraus zu schießen, wenn ich am Steuer sitze und – wie nennt man das?  – mit angepasster Geschwindigkeit über die B471 fahre – das hätte ich mich sowieso nicht getraut.

Außerdem hat es eine Weile gebraucht, bis mir überhaupt eingefallen war, dass ich hätte ein Foto machen können. Denn erstmal musste ich zu dem Ding, das da am Straßenrand lag, ein Bild in meinem Kopf und zu dem Bild einen Begriff finden. Denn sowas liegt nicht jeden Tag so am Rand der Bundesstraße. Die übrigens keinen Seitenstreifen hat, auf dem man hätte halten und das Etwas ablegen können und die zur Nichtstraßenwelt hin auch noch mit einem sanften Hügel abgeschottet ist.

Tja und jetzt frage ich mich, seit der Begriff für das Ding sich in meinem Kopf breit gemacht hat: Wie ist es da bloß hin gekommen?
Es war grün. Giftgrünneonfarben, genau genommen. Und es war: Wenn ich mich nicht irre: Ein Katzenklo. Jawoll. Ein griftgrünneonfarbenes Katzenklo. Nicht so eins, bei dem man die Haube abnehmen kann, um es sauber zu machen, sondern eins mit Wanne und innenwärts gewölbtem Rand. Aus einem Guss, sozusagen.

Dass so ein Katzenklo gemeinhin mindestens so um die fünfundfünfzig Zentimeter lang, fünfundzwanzig Zentimeter hoch und dreißig Zentimeter breit – also ein Mords -Trumm ist, macht die Beantwortung meiner Frage auch nicht leichter.

Seit gestern stelle ich mit das jetzt vor: Jemand fährt seelenruhig auf der Bundesstraße, das Radio spielt ein tolles Lied, vielleicht scheint sogar die Sonne durch die Frontscheibe. Alles super, alles toll. Und dann? Lässt der Beifahrer oder die Beifahrerin die Seitenscheibe runter und wirft lässig und locker das griftgrünneonfarbene Katzenklo hinaus? So wie manche Leute Kippen aus dem Fenster schnippen oder Papierschnipsel oder volle Hundekacktüten?

Ja! Bei der Weiterfahrt habe ich ein wenig Recherche betrieben und die Augen öfter mal am Seitenstreifen entlang wandern lassen. Schließlich: Vielleicht hatte der Katzenklowerfer oder sonstwer ja sonst noch was übrig, was er los werden wollte. Und wer weiß, vielleicht hätte es ja was Brauchbares sein können! Ein hübscher Klappcampingtisch vielleicht? Oder ein Paar zum Sterben schöne Designerpumps, Größe siebenunddreißig?  Oder wenigstens einen Kartoffelstampfer (wo meiner unlängst nach dreißigjährigem treuen Dienst leider verschieden ist)? Gesehen habe ich aber neben dem ordentlich oben zugeknoteten besagten Behältnis für Hundekot noch drei Bierflaschen, irgendwelches Alufolienzeugs, immer wieder Papierschnipsel, Bäckertüten und eine Plastikwasserflasche (leer).

Ich stelle mir also vor, was sich im Auto des Katzenklowerfers zugetragen hat:

– Was hast du denn da auf dem Schoß?
– Ein Katzenklo.
– Ich hatte dir doch verboten, ein Katzenklo zu kaufen, oder nicht?
– Ja, aber…Papa!
– Nix aber. Hatte ich es verboten oder nicht?
– (Schweigen)
– Antworte gefälligst!
– Du nervst!
– Freche Göre.. Dir werd ich… Ich… Verboten…
Der Rest geht in undefinierbaren Geräuschen, Reifenquietschen des schlingernden Autos und Gehupe unter. Dann summt der Fensterheber. – Es passiert. Das Ding fliegt raus. Am Ende hört man die weinerliche Stimme der „frechen Göre“:
– Aber die Katze…. Ich dachte, Du freust dich, wenn sie nicht mehr in deine Slipper…

Vielleicht war‘s so, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht wollte jemand auch nur ein giftgrünneonfarbenes Zeichen setzen. „Mehr Gerechtigkeit für alle Katzenklos der Welt!“ Oder jemand hat das Ding im nahen Baumarkt gekauft und zu spät gemerkt, dass er eher einen Papageienkäfig gebraucht hätte. Hm. Was ich aber auch noch plausibel finde, ist, dass das Katzenklo (giftgrünneonfarben) das Resultat einer Männerwette ist. Nach dem Motto: Wer hat das größere Beifahrerfenster? Und, ja genau: Beim Verlierer steckt das Ding noch heute im Fensterrahmen fest.
Achja, auch das: Hab ich nicht erst neulich gelesen, dass es bald Roboterautos geben soll? Ich stelle mir vor, das Robotertestfahrzeug steht im Stau und der selbstdenkende Heckklappenverschluss war leider noch nicht richtig programmiert. Beim Anhalten hat er das Seitengrün für die heimatliche Rasenfläche neben der Garage gehalten und sich selbst betätigt. Daraufhin ist die Kofferraumausräumautomatik in Gang gekommen – et voilà!

Aber es ist, wie es ist: Die wahre Geschichte des giftgrünneonfarbenen Plastikdings kennt nur einer. Und dass ich ausgerechnet dem (oder der?) bei meinen Streifzügen durch den Landkreis mal begegne, glaube ich eher nicht. Ich (und mit mir jeder Leser und jede Leserin) werde also lustig weiter spekulieren und schwadronieren und rätselraten müssen.
Vielleicht ist das aber sogar das Schönste an der ganzen Geschichte.

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4 Kommentare zu “Seitenstreifenbegegnung

  1. Toll geschrieben. Hab es gern gelesen 🙂 .

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