Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt

Spannende Vergangenheit – Neue Ausstellung in Fürstenfeld

2 Kommentare

Ich bin einer interessanten Frau begegnet, habe den Kompositionen eines Kastraten gelauscht und mich gefühlt, wie ein Mönch. Wie ich das angestellt habe? Ich habe endlich dem Stadtmuseum Fürstenfeldbruck einen Besuch abgestattet. Denn: Seit der Wiedereröffnung im Mai gibt es dort eine Dauerausstellung zu bewundern, die sich mit der Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters Fürstenfeld befasst. Anlass für diese wunderschöne Ausstellung ist, dass das Kloster vor 750 Jahren gegründet wurde – und dass die Stadt dies das ganze Jahr über schon gebührend gefeiert hat.

Gleich zu Beginn der Ausstellung begegnet man ihr: Maria von Brabant. Sie  – besser: ihr Tod war der Anlass für die Stiftung des Klosters. Denn sie wurde von ihrem eifersüchtigen Mann, Herzog Ludwig II ermordet. Als Sühne für diese Tat, die dem gewalttätigen Wittelsbacher den Beinamen „der Strenge“ einbrachte, stiftete er 1263 das Kloster Fürstenfeld.
So ganz geklärt ist die Sache nicht: Es geht um zwei Briefe der Maria von Brabant, die auf irgendeine Weise den Unmut des in der Ferne weilenden Gatten erregte. Einer der Briefe ging wohl mit sehnsuchtsvollem Inhalt an ihren Mann, ein zweiter an einen anderen Herrn in seiner Gesellschaft. Wurden die Briefe vertauscht? Was war der Inhalt der Briefe? Warum genau die Eifersucht des Wittelsbacher Herzogs Ludwig II geweckt wurde und er wutentbrannt den Rückweg nach Hause antrat, um seine Frau noch in der Nacht seiner Ankunft zu enthaupten, steht nicht eindeutig fest. Außerdem könnte, das deutet die Ausstellung an, nicht nur Eifersucht sondern auch politisches Kalkül eine Rolle gespielt haben.
Jedenfalls ist hier jeder eingeladen, seine Phantasie spielen zu lassen: Man kann die einzelnen Puzzleteile der Morde-Geschichte – die bewiesenen und die vielleicht frei erfundenen Details  – mit Hilfe von kleinen Holztäfelchen nach eigenem Gusto selbst zusammenstellen.
– Eigentlich klar, dass ich mich fast gar nicht davon trennen konnte, oder?
Dabei gab es noch so vieles zu bestaunen: Wie das Kloster das Leben einer ganzen Region bestimmte, zum Beispiel. Wie Klerus und weltliche Macht voneinander profitierten, zum Beispiel. Dass die Organisation des Klosters sich wie ein modernes Wirtschaftsunternehmen darstellt, das große Summen umgesetzt hat, zum Beispiel. Dass der damalige Markt Bruck wegen der Abhängigkeit vom Kloster wirtschaftlich boomte, dies aber mit der politischen Unmündigkeit seiner Einwohner bezahlte. Schließlich: Welche Kunstwerke das Kloster initiierte und was geschah, als das Kloster 1803 aufgelöst wurde. Und: Kann man sich wirklich vorstellen, dass die Mönche in ihren Zellen nach fast unmenschlichen Ordensregeln darben mussten, während ein Stockwerk über ihnen der Kurfürst und sein Gefolge lustwandelte?
Es machte großen Spaß, durch die Ausstellung zu schlendern, mir kleine Filme anzusehen, die Grafiken und Schautafeln zu studieren, Perücken und Hüte aufzuprobieren und mich schließlich – mit einer Mönchskutte angetan, einem einsamen Holzkollegen ein bisschen Gesellschaft zu leisten.
Anschaulich, informativ, spannend – einfach toll ist diese Ausstellung. Und das Tollste: Sie hat meine Neugierde geweckt: Was für eine Frau war diese Maria von Brabant, die erst im Alter von 28 Jahren heiratete und kinderlos blieb? Was mochte Orlando di Lasso am Brucker Land, dass er ein Haus für sich hier bauen wollte und des öfteren mit seiner Familie im Kloster wohnte? Wie hat sich der Lauf der Amper im Laufe der Jahrhunderte verändert? Wie war das nochmal mit der Säkularisierung in Bayern? Und  – puhh. Nein, genug Fragen. Genug jetzt. Schluss.  – Jedenfalls für heute.

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2 Kommentare zu “Spannende Vergangenheit – Neue Ausstellung in Fürstenfeld

  1. Wieder ein Abgrund, der sich auftut, wenn man so hinter die Kulissen blickt. Da machen Staat und Kirche, was sie wollen. :mrgreen:
    Danke für den informativen Bericht.

    LG Anna-Lena

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