Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt


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Nur kein Stress!

HanshofenAllmählich kommen alle wieder. Die Urlauber. Die Schulkinder. Die Italiener, die sich auf den Besuch der Wiesn vorbereiten, vielleicht auch. Im Büro warten fünfhunderttausend unbeantwortete Mails, ein Stapel nicht bearbeitetes Zeugs. Zuhause bergeweise Wäsche und Staub allerorten, Unkraut, ja – auch das. Leere Kühlschränke sind zu füllen, Schuleinkaufslisten abzuarbeiten. Ach ja – und Lebkuchen! Sie stehen ein wenig verschämt noch in der Ecke, aber auch sie sind zurück! Ja wirklich! Ich schwör‘s!
Was gegen den Rückkehr-Stress hilft? Sich ein schönes Plätzchen suchen. Zum Beispiel so eins wie hier in Hanshofen, mitten im Brucker Land. Durchatmen, in die Ferne gucken.
Es ist nichts passiert. Heute ist nur der Tag nach gestern und der vor morgen.


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Platsch und Matsch

Gummistiefel marsch!

Gummistiefel marsch!

Der Gartenschlauch hat sich heute mal faul eingewickelt. Zwangspause hat er. Ob er froh darüber ist, oder eher nicht, hat er mir nicht verraten. Aber: Gummistiefel! Sie haben heute ihren ersten Einsatz. Gummistiefel matsch – statt Wasser marsch – sozusagen. Nagelneu sind sie –  und hurra, hurra – sollen mir beim Spaziergang trockene Füße bescheren. Kein Pfützen-Hüpfen mehr! Keine komischen Quietsch- und Quatsch-Kommentare bei jedem Schritt! Welche Wohltat!
Eine Stunde platsch und matsch halten wir aus. Die Füße sind trocken geblieben, doch die Ernüchterung ist mir schon auf den Fersen:  Blase!  Und der Hund schaut, ja, genau: Wie ein begossener Boxer!
Was da hilft? Außer einem zartfühlenden Ehemann mit einer großen Tasse Kaffee in der einen und einem Pott Futter in der anderen Hand – genau: Die Maus. Die aus dem Fernsehen.  Unter www.wdrmaus.de kann jeder selbst mal schauen und nach dem passenden Regenlied suchen. Mir hat’s jedenfalls Spaß gemacht!


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Lauter Gespinste

Festgeharkt

Festgeharkt

Sie hängt an ihrem Haken und bewegt sich nicht. Zieht ihre Zähne zusammen, so gut sie kann. Wäre am liebsten ein bisschen runder und vielleicht weniger steif – damit sie mitschwingen könnte mit dem Gespinst. Das sanft sich bläht, wenn der Wind vorbei streicht auf seinem Streifzug durch den Garten. Aber, denkt die Harke, bitte nur so ein klitzekleines Bisschen. Weil, wenn de Harke sich zu sehr bewegte, wäre es auch nicht gut. Das hat sie sich überlegt in den vergangenen Tagen. Seit sie staunend zugesehen hat, wie die kleine schwarze Spinne ihr Netz befestigte. Wie sie flink und geschickt dabei zu Werke ging. Fast ein wenig neidisch ist sie, die Harke. Fühlt sich plump. Und viel zu groß. Und zu zackig und harkig eben.
Die Spinne lacht: Halt still!, ruft sie laut, damit die Harke ihre dünne Stimme überhaupt hören kann. Wenn du nicht still hältst, muss ich leider auswandern!
Also hält die Harke still. Und hofft, dass die Gärtnerin nicht kommt und sie vom Haken nimmt. Sie hat Glück, die Harke: Die Gärtnerin hängt grad an ihren eigenen Gespinsten. Gedanken- und Geschichtengespinste sind es vor allem.
Keine Zeit für Gärtnerinnenarbeit – und außerdem ist sie auch ein bisschen gartenarbeistfaul. Aber nur ein klitzekleines Bisschen! Naja – wenigstens die Harke freut sich (und die kleine Spinne sicher auch).


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Stolpersteine – und diesmal ein ziemlich ernster Text

Das Scherrer-Haus in Schöngeising

Das Scherrer-Haus in Schöngeising

Steine in den Weg gelegt bekommen, das möchte eigentlich niemand. Schon gar keine Stolpersteine. Sie zwingen einen, abzubremsen und stehen zu bleiben. Mitten aus dem Lauf heraus den Blick aus der Ferne zu holen, ihn auf dieses Ding vor den eigenen Füßen zu richten. Auf das Ärgernis, das einen daran hindert, weiter vorwärts zu hasten, den Zielen entgegen, die irgendwo am Horizont lockend ihre Arme schwenken.
Stolpersteine sind lästig. Man möchte sie wegräumen. Ignorieren. Drumherum gehen. – Zumal sie einen, wenn man ganz un-achtsam ist, auch noch ganz schön ins Straucheln bringen – und schmerzen können.
Doch Stolpersteine sind noch viel mehr: Eine Chance, ich würde sogar sagen, ein Luxus. Gerade weil sie dazu zwingen, innezuhalten. Achtsam zu sein. Hin- und nicht vorbei zu sehen. Die Schmerzen auszuhalten.
Der Künstler Gunter Demnig aus Frechen bei Köln macht Stolpersteine. Es sind kleine Rechtecke aus Messing und sie erinnern an die Opfer des Naziterrors. Über 40.000 von ihnen hat Demnig schon in Deutschland und Europa in den Boden eingelassen  – vor den Häusern, in denen die Verfolgten vor ihrer Verschleppung und Ermordung als normale Bürger gelebt haben.
Demnig kommt nun am 10. September nach Schöngeising, um gegen 16 Uhr auch hier einen Stolperstein zu setzen. Vor dem Haus, in dem die Malerin Johanna Oppenheimer vor ihrer Festnahme gelebt hat: Dem Scherrer-Haus, das heute Gemeindehaus ist, in der Amperstraße 22. Johanna Oppenheimer wurde von den Nazis von hier verschleppt, zuerst ins Sammellager Milbertshofen, später nach Theresienstadt, wo sie 70jährig, einen Tag vor Weihnachten 1942 starb.
Die Gemeinde Schöngeising hat sich den Luxus geleistet: Mitten im ausgelassenen Festgetümmel zur 1250-Jahr-Feier will sie anhalten. Auf den Boden schauen – und damit auch in den Abgrund einer dunklen Zeit, vor der auch der schöne Ort an der Amper nicht gefeit war. Ich finde das, ganz ehrlich, einfach großartig.

stolpersteine.eu: Stolpersteine
Kulturverein Schöngeising e.V.

Nachtrag: Am 10.09. um 10.30 Uhr veranstaltet der Kulturverein Schöngeising eine Lesung im Bürgerhaus:
„Schwarze Milch in der Frühe – Literatur aus dem Lager“
Mit Texten von Paul Clean („Todesfuge“), Edgar Kupfer-Koberwitz („Als Häftling in Dachau“) und Peter Weiß („Die Ermittlung“).
Musik; Erik Satie, Viktor Ullmann und Rudi Guguel
Lesung: Michaela Stögbauer und Rolf P.Parchwitz
Klavier: Monika Stöhr
Dramaturgie und Textmontage: Rolf P. Parchwitz
Mitarbeit: Martina Schnell


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Foto des Tages

Ein- und Drauf- und Durchblicke

Ein- und Drauf- und Durchblicke

Wirklich schwimmen gehen? Jetzt um sieben? Bestimmt regnet‘s gleich! Ganz bestimmt! Die Wetterfee hat‘s gesagt. Im Fernsehen. Und das Wasser ist sicher schon viel kälter geworden bei den Temperaturen nachts! Hast du nicht erst gestern die Jacke gebraucht auf der Terrasse? Bist beim Ratsch mit Freunden dicht ans Feuer gerutscht? Und die Mücken – sie warten schon! Jetzt – wo‘s auch noch regnet! Und da – ein paar Tropfen fallen tatsächlich auf den Holzboden des Balkons. Es klingt, als würde jemand kleine Steinchen werfen in unregelmäßigen Abständen. Klick. Und klack. Hörst du das nicht?
Jaja – das sind die die Badevergnügen-Verhinderer. Ich kenne sie schon, diese Burschen, die Spaßverderber. Die Kritiker, die irgendwo in der Ecke hocken wie Statler und Waldorf auf dem Balkon im Muppet-Theater.
Hm. Im Schlafanzug gehe ich gucken. Eigentlich – der Himmel sieht so schlecht nicht aus, die Luft fühlt sich warm an – und der Regen? Hat nur ein paar Tropfenspuren auf dem Tisch hinterlassen. Also gut, sagen die Badevergnügen-Ausreder. Dann geh eben! Wirst schon sehen!
Es ist dämmrig, alle Autos fahren mit Licht. Auch der schönste Sommer, denke ich, geht irgendwann. Auch das beste Badevergnügen, denke ich, hat mal ein Ende.
Ach nein! Bitte nicht! Bitte keine Wehmut oder sonst so ein dummes Gefühl, das sich bloß zu den Badevergnügen-Ausredern gesellt und ihnen Beistand leistet! Das mich in Watte packt und mir den Blick verstellt, damit ich nicht mehr richtig sehen kann. Alle Miesmacher der Welt: Lasst mich in Ruhe!
Rein ins Wasser. Raus auf den See. Rückenlage. Himmelsausblick. Da ist das Nahe und das Ferne. Wolken und grenzenloses Blau. Wandel und ewiges Versprechen, klare Linien und verwischtes Nebeneinander. Wie es halt ist. Einfach so.

PS: Die Badeseen im Brucker Land sind noch immer klasse und warm: Aktuelle Ausschreibungen des Landratsamtes Fürstenfeldbruck


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Spannende Vergangenheit – Neue Ausstellung in Fürstenfeld

Ich bin einer interessanten Frau begegnet, habe den Kompositionen eines Kastraten gelauscht und mich gefühlt, wie ein Mönch. Wie ich das angestellt habe? Ich habe endlich dem Stadtmuseum Fürstenfeldbruck einen Besuch abgestattet. Denn: Seit der Wiedereröffnung im Mai gibt es dort eine Dauerausstellung zu bewundern, die sich mit der Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters Fürstenfeld befasst. Anlass für diese wunderschöne Ausstellung ist, dass das Kloster vor 750 Jahren gegründet wurde – und dass die Stadt dies das ganze Jahr über schon gebührend gefeiert hat.

Gleich zu Beginn der Ausstellung begegnet man ihr: Maria von Brabant. Sie  – besser: ihr Tod war der Anlass für die Stiftung des Klosters. Denn sie wurde von ihrem eifersüchtigen Mann, Herzog Ludwig II ermordet. Als Sühne für diese Tat, die dem gewalttätigen Wittelsbacher den Beinamen „der Strenge“ einbrachte, stiftete er 1263 das Kloster Fürstenfeld.
So ganz geklärt ist die Sache nicht: Es geht um zwei Briefe der Maria von Brabant, die auf irgendeine Weise den Unmut des in der Ferne weilenden Gatten erregte. Einer der Briefe ging wohl mit sehnsuchtsvollem Inhalt an ihren Mann, ein zweiter an einen anderen Herrn in seiner Gesellschaft. Wurden die Briefe vertauscht? Was war der Inhalt der Briefe? Warum genau die Eifersucht des Wittelsbacher Herzogs Ludwig II geweckt wurde und er wutentbrannt den Rückweg nach Hause antrat, um seine Frau noch in der Nacht seiner Ankunft zu enthaupten, steht nicht eindeutig fest. Außerdem könnte, das deutet die Ausstellung an, nicht nur Eifersucht sondern auch politisches Kalkül eine Rolle gespielt haben.
Jedenfalls ist hier jeder eingeladen, seine Phantasie spielen zu lassen: Man kann die einzelnen Puzzleteile der Morde-Geschichte – die bewiesenen und die vielleicht frei erfundenen Details  – mit Hilfe von kleinen Holztäfelchen nach eigenem Gusto selbst zusammenstellen.
– Eigentlich klar, dass ich mich fast gar nicht davon trennen konnte, oder?
Dabei gab es noch so vieles zu bestaunen: Wie das Kloster das Leben einer ganzen Region bestimmte, zum Beispiel. Wie Klerus und weltliche Macht voneinander profitierten, zum Beispiel. Dass die Organisation des Klosters sich wie ein modernes Wirtschaftsunternehmen darstellt, das große Summen umgesetzt hat, zum Beispiel. Dass der damalige Markt Bruck wegen der Abhängigkeit vom Kloster wirtschaftlich boomte, dies aber mit der politischen Unmündigkeit seiner Einwohner bezahlte. Schließlich: Welche Kunstwerke das Kloster initiierte und was geschah, als das Kloster 1803 aufgelöst wurde. Und: Kann man sich wirklich vorstellen, dass die Mönche in ihren Zellen nach fast unmenschlichen Ordensregeln darben mussten, während ein Stockwerk über ihnen der Kurfürst und sein Gefolge lustwandelte?
Es machte großen Spaß, durch die Ausstellung zu schlendern, mir kleine Filme anzusehen, die Grafiken und Schautafeln zu studieren, Perücken und Hüte aufzuprobieren und mich schließlich – mit einer Mönchskutte angetan, einem einsamen Holzkollegen ein bisschen Gesellschaft zu leisten.
Anschaulich, informativ, spannend – einfach toll ist diese Ausstellung. Und das Tollste: Sie hat meine Neugierde geweckt: Was für eine Frau war diese Maria von Brabant, die erst im Alter von 28 Jahren heiratete und kinderlos blieb? Was mochte Orlando di Lasso am Brucker Land, dass er ein Haus für sich hier bauen wollte und des öfteren mit seiner Familie im Kloster wohnte? Wie hat sich der Lauf der Amper im Laufe der Jahrhunderte verändert? Wie war das nochmal mit der Säkularisierung in Bayern? Und  – puhh. Nein, genug Fragen. Genug jetzt. Schluss.  – Jedenfalls für heute.