Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt

Auja!

Hinterlasse einen Kommentar

„Ach nein, nicht schon wieder dieselbe Runde“, sage ich. Zu wem? Zu mir selbst wahrscheinlich, weil Carlo, der Boxer, sieht nicht so aus, als würde ihn mein Gemurmel sonderlich interessieren. Und so, als wäre ihm das „Wo“ der Runde eigentlich egal. Hauptsache irgendeine Runde. Lang genug zum Schnüffeln, Toben, Leckerlis suchen.

Aber mir. Mir ist es nicht egal. Brauche mal Tapeten – ähm – Bäume- und Blätterwechsel. Wie soll frau was einfallen, wenn sie immer dieselben Kartoffelpflanzen, Grashalme und Steine im Bach sieht, jeden Schmetterling kennt und von jeder Mücke mit freudigen Summen persönlich begrüßt wird!?

Also – um das klarzustellen: Ich mag Kartoffelpflanzen und auch die Grashalme und vor allem den Bach und seine Steine. Und selbstverständlich auch Schmetterlinge. (Über die Mücken schweige ich lieber mal…)

Wie dem auch sei: Abwechslung muss jetzt einfach her!

Also ab ins Auto. Erstmal in Richtung Bundesstraße. Rechts oder links rum? Oder, ach, geradeaus durch die Dörfer bei Maisach? Ach nein, doch lieber Süden. Grafrath? Mauern  – oder dazwischen? Ach, da war ich schon so oft und gab‘s da nicht Tausende von Mücken, auf deren nähere Bekanntschaft ich gerade mal keinen so großen Wert lege?
Und ACH, die vielen neuen Wege dort, die ich noch nicht kenne – ach herrje, welchen von denen soll ich denn bloss nehmen?

Ich verlasse die Bundesstraße, kurve durch Schöngeising. Jexhof? Auch schön. Aber AchAch! Oder doch lieber Grafrath? Herrjemine!

Mitten im Ort, hinter der Brücke, die Entscheidung: Auja. Mal wieder in Richtung Keltenschanze den Berg hoch. Das „Auja“ kommt einfach so angeflogen – von irgendwoher. Ich bremse gerade noch rechtzeitig, setze den Blinker. Nach links geht‘s, ein Stückchen den Hügel hoch. Da oben war ich zuletzt im Winter. Bestimmt ist es da schön kühl , denke ich. Ist ja im Wald, denke ich. Auja! Und Mücken? Fliegen Mücken den Hügel hoch? Hm!
Doch ach: Von Schatten keine Spur! Und: Sehr, sehr viele Mücken die wild auf eine neue Bekanntschaft sind. Ach und weh, wirklich: Sehr sehr sehr viele!

Achduliebezeit, denke ich. Vielleicht war das „Auja!“ ja doch eine Fehlmeldung? Oder eine, die vielleicht ganz anders gemeint war? Auf ein anderes Ziel hindeutete? ACH, ACH, ACH!!

BaumschrappeUnd dann? Ja – dann ist da plötzlich dieses Ding. Aha – schau an: Ein Monster aus Holz und Draht. Mit Drachenzacken an der Seite und einer Art Riesenklöppel am Drahtseil. Und einem Schild. Ich erfahre, dass das Ding eine „Baumschrappe“ ist: Riesenklöppel loslassen, in die Baumstammhöhle horchen und das Poltern genießen. AUJA!! Wie toll ist das denn!

Und ein paar Schritte weiter? Ich sehe einen Specht aus Holz, der hoch oben am Stamm gegen ein Holz klopft, wenn man unten den Dreh raus hat. Oh – AUJA: Und da- noch ein paar Schritte weiter – was ist denn das? Eine Baumscheibentrommel? Ich lasse die Kugel gegen die Scheibe hüpfen und höre auf das Klackern und Klockern.

Die Sonne brennt und der Schweiß rinnt in Strömen. Und Mücken? Welche Mücken? Ach! Die! So ein paar kleine, harmlose…

Ich lasse mich treiben. Höre Blätter rauschen und Vögel singen, Insekten schwirren. Und das Schönste: Ich kann mitmachen im Geräuschepotpourri! Ich lasse (Au-Ja!) Sägeblätter kreisen und gegen ein Stück Holz scheppern und sitze eine ganze Weile versonnen an der wunderschönen Baumharfe.OH -Aujaauja!
BaumharfeGemacht ist sie  – so belehrt mich das zugehörige Schildchen –  aus einer Fichte, an der sich einst in Bodennähe Wildschweine den Rücken schubberten. Das Borstenvieh zwang die arme Fichte so, im schönen Harfenschwung himmelwärts zu wachsen. Und sie wurde immerhin sieben stolze Meter hoch!

Klar: Ich bin auf dem Schöngeisinger Klangweg „Gehen – Hören – Sehen“ gelandet. Entstanden ist er anlässlich der 1250-Jahrfeier des Ortes (die übrigens an diesem Wochenende mit dem Dorffest gefeiert wird), Idee und Installation stammen von der Heinrich-Scherrer-Musikschule. Der Weg hat natürlich noch viele spannende Stationen mehr. (Flyer mit Wegbeschreibung gibt es hier: „GEHEN-HÖREN-SEHEN“ , Klangweg | Heinrich Scherrer Musikschule)

Aber mir ist es für heute genug. So viele „Auja‘s“ sind mir schon lange nicht mehr begegnet. Haben die blöden achs ganz klein werden lassen und schließlich in die Flucht geschlagen. Und den Rest hebe ich mir für‘s nächste Mal auf.

Ich horche noch einmal in den Wald hinein und – auja – jetzt mal hier lang – lasse mich noch ein Stück weiter treiben in die grün-lichte schöne Welt.
Und: OHHHHH Ich mache noch eine Entdeckung! Eine, die ich diesmal für mich behalte. Von der ich aber bald hier erzählen möchte. So bald es geht. Und sobald das „Auja“ mich wieder hertreibt.

Versprochen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s