Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt


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Verkringelt traurig

Armer Gartenschlauch

Armer Gartenschlauch

Sie stehen auf mir, sagen sie. Und sie meinen das nicht eben freundlich. Sind sauer auf sich UND auf mich und tun sich auch noch leid. Wo ICH dabei doch alles abkriege. Ihre Tritte. Und ihr Unbehagen.

Sie sehen mich nicht, wie ich mich schlängle im schönsten gelb-und-rotgestreift. Wie ich das Wasser im Zaum halte, das unbedingt sprudeln will, wie es ihm passt – nicht wie sie wollen, schön geordnet aus den Anschlussstücken, die sie mir an den Kopf binden. Sprüher und Sprenger mit verschiedenen Öffnungen, damit das Wasser regnet und spritzt und sprüht und auch duscht, wenn sie sich drunterstellen wollen.

Sie merken nicht, welche Anstrengung es kostet, wie jeder Millimeter an mir arbeitet, wenn das Wasser mich aufbläht und beinahe zum Bersten bringt, weil es aus mir herausbrechen und seine Wildheit ausleben will – nur, weil sie wiedermal vergessen haben, den Hahn abzudrehen.
Missachtet fühle ich mich. Ausgelaugt und leer. Mies und verschlängelt. Tue seit Tagen meine Arbeit, ohne auch nur das kleinste bisschen zu zischen oder auch nur leise zu tröpfeln!

Sie kommt! Da! Die Herrin über den Wasserhahn. Steigt über mich hinweg und schaut seufzend zum Himmel: Noch immer kein Tropfen Regen, sagt sie.
Keinen einzigen Blick hat sie für mich! Verkringelt traurig ist das. Ich armer Wurm von einem gelbrotgestreiften Gartenschlauch!


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Ach, du meine Bauchbeule!

KleidBus weg – S-Bahn noch nicht. Aber bald.
Bettelblick vom Allerbesten: „Kannst du mich bitte schnell-?“

Ich schäume ein bisschen mit der Zahnpasta: „Hmm. Bann pann if pleif einpaufen.“
Verständnisloser Blick. Erst auf mich. Dann auf seine Uhr.
„Ja. Aber die S-Bahn…“
Klar. Also los: Mund ausspülen, Geldbeutel holen, Einkaufstasche schnappen, Schuhe an. Fertig.

Ohje. Der Spiegel! Er hängt an der Tür. Das heißt – eigentlich sind es zwei Spiegel nebeneinander. Gewellt. Von einem großen schwedischen Möbelhaus. Und beide hängen schief, weil mein Jüngster das vor vielen Jahren so wollte.

– „Nein Mama. Der darf nicht gerade hängen. Der MUSS schräg sein. So!“
– „Aber dann sieht man sich ja nicht.“
– „Doooooch – guck: Ich seh mich.“ Er (er ging mir damals grad bis zur Taille) neigte seinen Körper zur Seite, streckte die Arme nach oben und rechts. Gelenkig, gelenkig!
– „Geht doch.“
– „Ja, bei Dir. Aber ich? Ich fürchte, ich bin nicht schräg genug.“
Prüfender Blick von oben nach unten: „Doch. Bestimmt!“
Seufz. Kreative Ideen der eigenen Kinder soll man unterstützen! Fördern das Selbstbewusstsein! Vor allem von Jungs!

Jedenfalls: Das Bisschen, das ich im schrägen Spiegel jetzt sehe, wirft augenblicklich meine Stirn in Falten.
Schlabberschreibtisch-Heißetagekleid. Geblümt. Aus dem Jahr 19-da-war-ich-noch-schlank. Jetzt wellt sich nicht nur der Spiegel, sondern leider auch die Kontur des Kleids. Samt Blümchenmuster. Vor allem am Bauch. Und um die Hüften rum.
„Kann ich wirklich so zum einkaufen?“ Meine Gedanken rennen voraus ins Badezimmer. Da sind Hose und T-Shirt. Reicht die Zeit zum Umziehen?
„Klar kannst du so gehen. Warum denn nicht?“
Der Allerbeste neben mir. Die Aktentasche baumelt. Na gut. Wenn er‘s sagt!

Ein Mann bremst die Eile beim Ausparken. Er geht hinter dem Wagen vorbei. Dunkler Anzug. Weißes Hemd. Lackschuhe. Wohlfrisiert. Schlank. Oh Gott – und ich in DIESEM Kleid! Instinktiv ziehe ich den Bauch ein. Mir bricht der Schweiß aus: Kann ich wirklich nachher im Supermarkt – SO? Im bauchbetonten Blümchenschlabber?

Meine Sorgen verfliegen auch auf der rasanten Fahrt nicht. Ebenfalls nicht, als mein Allerbester mir sein liebevollstes Lächeln schenkt. Naja – ich könnte doch vor dem Einkaufen noch schnell zuhause vorbei…
Die S-Bahn ist schon da. Mein Allerbester spurtet los, er ist weg, meine Sorgen bleiben.

Auf der Rückfahrt sehe ich den Anzugmann. Wieder reagiert meine Bauchmuskulatur. Macht sie irgendwie automatisch. Jahrelange Konditionierung ist das, denke ich, durch andauerndes Modepüppchen-Bombardement. Der Anzugmann geht auf dem Radweg, mir entgegen – offenbar will auch er zum Bahnhof. Die Anzugjacke aufgeknöpft, die schön frisierte Locke ein wenig feucht in die Stirn gefallen, marschiert er tapfer in der prallglühenden Sonne seiner Bestimmung entgegen.
„Das hätte ich mal wissen sollen“, denke ich. „Der Arme – wir hätten ihn locker mitnehmen können! Im schwarzen Anzug! Lackschuhe! Bei DER Hitze!“ Er tut mir aufrichtig leid. Zum ersten Mal heute mag ich mein olles Sommerkleid. Wenn nur nicht die Bauchbeule…

Im Supermarkt erledige ich meine Einkäufe im Sauseschritt. Milch, bio. Kaffee, fair gehandelt. Quark, ah – und Kekse! Mehr brauche ich nicht – gottseidank! Mein Kleid huscht nur so rum, der Rock flattert um Regalecken, erst an der Kasse gibt‘s den Zwangsstopp. Blöd. Meine Bauchmuskeln tun ihren Dienst, die übernächste bin ich, so lange halte ich das aus.

Da fällt mein Blick auf die Frauenzeitschrift, die in einem Ständer augenfällig drapiert laut „Kauf-mich“ schreit. Das Gesicht einer Schönen und ganz bestimmt Schlanken lächelt mir aufmunternd zu. Orangefarbene Buchstaben vor ihrem Dekolleté: „Entspannt Selbstbewusst – Was wir von Männern lernen können (z.B. nie mehr übers Bäuchlein meckern)“

FLOPP!! Augenblicklich lassen meine Bauchmuskeln los. Allen schwitzenden Anzug-, und allen entspannten Männern und auch allen kleinen Jungs  – vor allem aber dem Allerbesten sei Dank!
Lässig zahle ich, packe meine Sachen und tänzle zur Tür hinaus.
Mit allen Wellen im Schlabberblümchenkleid.
Wunderbar entspannt UND selbstbewusst!


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8.20 Uhr

Licht-Schatten-Spiel im Weiderich m Morgen

Licht-Schatten-Spiel im Weiderich m Morgen

Langsam lugt die Sonne um die Ecke, mein schattiger Platz wird geflutet. Noch ein wenig halte ich es hier aus, dann ist – trotz Sonnenschirm – Schluss mit Morgen-Kreativität. Immerhin: Ein wenig habe ich schon geschafft, ein gutes Stück bin ich weiter gekommen. Muss jetzt ganz schnell alle meine guten Gedanken noch festhalten, bevor sie sich verflüchtigen im Hitzedunst.

So ein schöner Sommer!


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Hilfe! Wer kennt sich aus?

Vergangene Woche war ich dabei. Bei einer Kräuterwanderung in Dachau, geführt von der Kräuterfee des Bayerischen Rundfunks, Karin Greiner. Das hat mir so gut gefallen, dass ich seitdem einem wahren Kräuterfindewahn verfallen bin. Immerhin: Die wilde Möhre, das Franzosenkraut und den wilden Oregano erkenne ich schon. Ganz eindeutig. Stolz. Und heute habe ich sogar ein gelbes Kraut mit dem schönen Namen „Kleiner Odermennig“ mit nach Hause gebracht und erfahren, dass dieses unscheinbare Gewächs eine ziemlich alte Heilpflanze ist.
Tja, das zweite Kräutlein, das ich an einem alten Bahndamm gefunden habe, verrät seinen Namen leider nicht. Hier ist es:

Gibt es einen Kräuterexperten oder eine Kräuterexpertin, die mir sagen kann, wie dieses hübsche Pflänzchen heißt? Leider haben meine Bestimmungsbücher versagt – und auch das Internet gibt keine brauchbaren Informationen preis. Und ich würde sooo gerne den Namen dieser kleinen Schönheit wissen! Biiiiittteeeeee: Wer kann helfen?

Achja: Hier der Link zur Kräuterfee: Pflanzenlust mit Karin Greiner – Willkommen


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Auja!

„Ach nein, nicht schon wieder dieselbe Runde“, sage ich. Zu wem? Zu mir selbst wahrscheinlich, weil Carlo, der Boxer, sieht nicht so aus, als würde ihn mein Gemurmel sonderlich interessieren. Und so, als wäre ihm das „Wo“ der Runde eigentlich egal. Hauptsache irgendeine Runde. Lang genug zum Schnüffeln, Toben, Leckerlis suchen.

Aber mir. Mir ist es nicht egal. Brauche mal Tapeten – ähm – Bäume- und Blätterwechsel. Wie soll frau was einfallen, wenn sie immer dieselben Kartoffelpflanzen, Grashalme und Steine im Bach sieht, jeden Schmetterling kennt und von jeder Mücke mit freudigen Summen persönlich begrüßt wird!?

Also – um das klarzustellen: Ich mag Kartoffelpflanzen und auch die Grashalme und vor allem den Bach und seine Steine. Und selbstverständlich auch Schmetterlinge. (Über die Mücken schweige ich lieber mal…)

Wie dem auch sei: Abwechslung muss jetzt einfach her!

Also ab ins Auto. Erstmal in Richtung Bundesstraße. Rechts oder links rum? Oder, ach, geradeaus durch die Dörfer bei Maisach? Ach nein, doch lieber Süden. Grafrath? Mauern  – oder dazwischen? Ach, da war ich schon so oft und gab‘s da nicht Tausende von Mücken, auf deren nähere Bekanntschaft ich gerade mal keinen so großen Wert lege?
Und ACH, die vielen neuen Wege dort, die ich noch nicht kenne – ach herrje, welchen von denen soll ich denn bloss nehmen?

Ich verlasse die Bundesstraße, kurve durch Schöngeising. Jexhof? Auch schön. Aber AchAch! Oder doch lieber Grafrath? Herrjemine!

Mitten im Ort, hinter der Brücke, die Entscheidung: Auja. Mal wieder in Richtung Keltenschanze den Berg hoch. Das „Auja“ kommt einfach so angeflogen – von irgendwoher. Ich bremse gerade noch rechtzeitig, setze den Blinker. Nach links geht‘s, ein Stückchen den Hügel hoch. Da oben war ich zuletzt im Winter. Bestimmt ist es da schön kühl , denke ich. Ist ja im Wald, denke ich. Auja! Und Mücken? Fliegen Mücken den Hügel hoch? Hm!
Doch ach: Von Schatten keine Spur! Und: Sehr, sehr viele Mücken die wild auf eine neue Bekanntschaft sind. Ach und weh, wirklich: Sehr sehr sehr viele!

Achduliebezeit, denke ich. Vielleicht war das „Auja!“ ja doch eine Fehlmeldung? Oder eine, die vielleicht ganz anders gemeint war? Auf ein anderes Ziel hindeutete? ACH, ACH, ACH!!

BaumschrappeUnd dann? Ja – dann ist da plötzlich dieses Ding. Aha – schau an: Ein Monster aus Holz und Draht. Mit Drachenzacken an der Seite und einer Art Riesenklöppel am Drahtseil. Und einem Schild. Ich erfahre, dass das Ding eine „Baumschrappe“ ist: Riesenklöppel loslassen, in die Baumstammhöhle horchen und das Poltern genießen. AUJA!! Wie toll ist das denn!

Und ein paar Schritte weiter? Ich sehe einen Specht aus Holz, der hoch oben am Stamm gegen ein Holz klopft, wenn man unten den Dreh raus hat. Oh – AUJA: Und da- noch ein paar Schritte weiter – was ist denn das? Eine Baumscheibentrommel? Ich lasse die Kugel gegen die Scheibe hüpfen und höre auf das Klackern und Klockern.

Die Sonne brennt und der Schweiß rinnt in Strömen. Und Mücken? Welche Mücken? Ach! Die! So ein paar kleine, harmlose…

Ich lasse mich treiben. Höre Blätter rauschen und Vögel singen, Insekten schwirren. Und das Schönste: Ich kann mitmachen im Geräuschepotpourri! Ich lasse (Au-Ja!) Sägeblätter kreisen und gegen ein Stück Holz scheppern und sitze eine ganze Weile versonnen an der wunderschönen Baumharfe.OH -Aujaauja!
BaumharfeGemacht ist sie  – so belehrt mich das zugehörige Schildchen –  aus einer Fichte, an der sich einst in Bodennähe Wildschweine den Rücken schubberten. Das Borstenvieh zwang die arme Fichte so, im schönen Harfenschwung himmelwärts zu wachsen. Und sie wurde immerhin sieben stolze Meter hoch!

Klar: Ich bin auf dem Schöngeisinger Klangweg „Gehen – Hören – Sehen“ gelandet. Entstanden ist er anlässlich der 1250-Jahrfeier des Ortes (die übrigens an diesem Wochenende mit dem Dorffest gefeiert wird), Idee und Installation stammen von der Heinrich-Scherrer-Musikschule. Der Weg hat natürlich noch viele spannende Stationen mehr. (Flyer mit Wegbeschreibung gibt es hier: „GEHEN-HÖREN-SEHEN“ , Klangweg | Heinrich Scherrer Musikschule)

Aber mir ist es für heute genug. So viele „Auja‘s“ sind mir schon lange nicht mehr begegnet. Haben die blöden achs ganz klein werden lassen und schließlich in die Flucht geschlagen. Und den Rest hebe ich mir für‘s nächste Mal auf.

Ich horche noch einmal in den Wald hinein und – auja – jetzt mal hier lang – lasse mich noch ein Stück weiter treiben in die grün-lichte schöne Welt.
Und: OHHHHH Ich mache noch eine Entdeckung! Eine, die ich diesmal für mich behalte. Von der ich aber bald hier erzählen möchte. So bald es geht. Und sobald das „Auja“ mich wieder hertreibt.

Versprochen!


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Baden gut – Sommer toll!

Genuss-(und mal ausnahmsweise nicht Arbeits-)Teilung: Sie im und ich am See.

Genuss-(und mal ausnahmsweise nicht Arbeits-)Teilung: Sie im und ich am See.

Für mich als frischgebackene Frühschwimmerin genauso interessant wie für alle, die bei diesem Wetter ausgiebig und zu jeder Tageszeit in den Badeseen des Landkreises planschen: Die Wasserqualität aller Seen ist sehr gut.
Am 11.07 hat das Landratsamt wieder gemessen – und es gab nirgendwo Beanstandungen. Nur für die Amper wird eine Warnung ausgesprochen: Wegen der „rasch wechselnden bakteriologischen Belastung“ sei Vorsicht geboten.
Übrigens: Die Wassertemperatur aller Seen verheißt allerangenehmstes Badevergnügen: Keiner ist kälter als 22 Grad. Am kuschligsten ist es im Olchinger See und im Eichenauer See, dort steigt das Thermometer derzeit auf 24 Grad.

Und die Wetteraussichten? Ein Blick am Rand meines roten Sonnenschirms vorbei zeigt blauen Himmel rundum, nur ein paar wunderhübsche Schleierwölkchen hier und da. Also, wenn das kein Bilderbuchsommer ist!

Wer selbst nachlesen möchte – hier geht’s lang:
Aktuelle Ausschreibungen des Landratsamtes Fürstenfeldbruck