Der rote Sonnenschirm

Mein Guck auf's Ammerland und den Rest der Welt

Steinkreuze II

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Vor lauter Steinen das Kreuz nicht gesehen, kann ich da nur sagen. Millionenmal vorbei gelaufen und es nicht mal eines einzigen Blickes gewürdigt! So ist es mir ergangen mit dem Steinkreuz, das in Olching wirklich direkt an der Hauptstraße steht, hübsch angeordnet neben St. Peter und Paul, auf dem Nöscherplatz. Zu meiner Verteidigung kann ich nur hervorbringen, dass das Kreuz im Schatten eines hübschen Baumes steht. Na gut. Ich geb‘s zu – eine wirkliche Entschuldigung ist das nicht.

Olchinger Steinkreuz

Das Steinkreuz in Olching „versteckt“ sich im Schatten eines Baumes

Immerhin: Ich hole jetzt sozusagen alles nach: Hier ist es! Und das Kreuz, sagt mir die wunderbaren Datenbank für Steinkreuz-Fans Sühnekreuze & Mordsteine , ist aus Tuffstein und stammt aus dem Mittelalter.

Ob es sich bei diesem Kreuz um eine Sühnekreuz handelt oder um ein Steinkreuz, das zum Beispiel als Grenz- oder Wetterstein oder als Stationskreuz von Pilgern oder Prozessionen genutzt wurde, scheint nicht klar zu sein.

Natürlich würde ich persönlich dank meiner Vorliebe für spannende Geschichten viel lieber zur ersten Variante tendieren. Denn Sühnekreuze wurden im Mittelalter als Teil von Sühneverträgen gesetzt. Das war eine Art früher Täter-Opfer-Ausgleich: In manchen Fällen nützte es der (etwa nun mann- und vaterlosen) Familie nichts, wenn dem Totschläger zur Strafe der Kopf abgeschlagen wurde. Viel mehr hatte eine solche Familie davon, wenn der Täter den Hinterbliebenen eine lebenslange Rente bezahlte, oder in deren Landwirtschaft mit anpackte. Zum Zeichen und zur Erinnerung an seine Tat musste der Mörder oder Totschläger ein Steinkreuz aufstellen. Manchmal musste der Täter zudem sonntags vor der Kirche stehen und um Vergebung flehen.

Mit der Einführung des ersten Reichsstrafgesetzbuches, der so genannten „Carolina“ durch Kaiser Karl V. im Jahr 1532 war mit dieser Art des Täter-Opfer-Ausgleichs erstmal Schluss. Offenbar wurden danach auch keine Sühnesteine mehr aufgestellt.

Quellen: Sühnekreuze & Mordsteine
Clemens Böhne, Die drei steinernen Kreuze von Unterschweinbach (1. und 2. Teil), Amperland 1, 1965; https://de.wikipedia.org/wiki/Steinkreuz#S.C3.BChnekreuze

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